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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

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Edited By Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Mit anderen Augen sehen.: Ein Beitrag zur Selbstsicht bei Grimmelshausen: Martin Helbig

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MARTIN HELBIG (Freiburg)

Mit anderen Augen sehen.

Ein Beitrag zur Selbstsicht bei Grimmelshausen

Wer in den simplicianischen Schriften nach Stellen sucht, welche den Akt des Dechiffrierens zum Thema erheben, wird am Rätsel des Baldanders nicht vorbei können. Denn hier, im neunten Kapitel der Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi,1 treffen ein Ver- und ein Enträtselungskünstler aufeinander, die sich in vielerlei Hinsicht gegenseitig durchaus gerecht werden. Eine Behauptung, die sich bereits in Fragen der Bescheidenheit exemplifizieren lässt: Baldanders rühmt sich seiner paradiesischen Herkunft2 und gebraucht das Wort Gottes für sein Buchstabenrätsel in einer Weise, die implizit ihm selbst die Omnipräsenz des Schöpfers zuschreibt: „Jch bin der Anfang und das End/ und gelte an allen Orthen.“ (Co 604) Dem gegenüber präponiert Simplicius die eigene Auffassung des Understatements „ohne Ruhm zumelden“ (Co 606) unverhohlen in rhetorischem Duktus. Immerhin sei es seine geringste Kunst, „einen Brieff auff einen Faden: oder wohl gar auff ein Haar zuschreiben/ den wohl kein Mensch wird außsinnen oder errathen können [...].“ (Co 606) Zwar darf sich das Lesepublikum an dieser Stelle mit Recht fragen, was der Sinn eines solchen Unterfangens sein mag, der ← 135 | 136 → Rahmen des Aufeinandertreffens indessen ist damit klar umrissen: Zwischen diesen beiden wird mit scheinbar übernatürlichen Mitteln gerungen – um Text, Sinn und Auslegung.

Das Zentrum des beziehungsreichen Tummelplatzes, auf welchem diese Auseinandersetzung stattfindet, bildet das Rätsel des Baldanders. Die folgenden Seiten sind dem...

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