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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

Series:

Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Zeichen – Sprache – Fiktionalitätseingeständnis.: Zur Baldanders-Episode in Grimmelshausens Simplicissimus: Torsten Menkhaus

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TORSTEN MENKHAUS (Hamm)

Zeichen – Sprache – Fiktionalitätseingeständnis. Zur Baldanders-Episode in Grimmelshausens Simplicissimus

In der Fortsetzung des Simplicissimus Teutsch, der Continuatio1, lässt Grimmelshausen seinen Helden im neunten Kapitel bei einem Waldspaziergang auf eine steinerne Statue treffen, die, nachdem Simplicius versucht hat, das Standbild mit einem Stock vom Waldboden auf die andere Seite zu hebeln, sich selbst belebt und zu sprechen beginnt. Die Statue stellt sich Simplicius als Baldanders vor und behauptet, bereits von Anfang an der Begleiter des Helden gewesen zu sein.2 Baldanders beteuert ferner, die Unbeständigkeit und Wechselhaftigkeit des simplicianischen Lebenslaufes abzubilden. Grimmelshausen lässt seine Figur Baldanders in der Continuatio sagen, dass sie als die personifizierte Unbeständigkeit „der Anfang und das End“ sei.3 Wie manche Interpreten richtig betonen, verweist die Baldanders-Episode auf die Faktizität der Veränderlichkeit und Unbeständigkeit aller weltlichen Erscheinungen, hier sowohl der sprachlichen Sachverhalte, als auch der Tatsachen.4 ← 325 | 326 →

Die Rätselschrift weist (im vom Autor gewünschten Vorgang der Decodierung durch den Leser) aber noch weit darüber hinaus: Erstens deutet Grimmelshausen sprachtheoretische Fragestellungen an, die für die Reflexion über Dichtung und Wahrheit von Interesse sind, zweitens stellt er dem Leser naturphilosophische Ausblicke im Sinne des Zykluscharakters des Werdens und Vergehens vor, drittens verknüpft er den Plot mit einer Leseanweisung des Romans, so dass die Entzifferung der Rätselschrift auch als Handlungsanweisung für den Leser des Romans zu gelten hat die auf der Idee von Fiktionalität beruht,5...

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