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Samuel Mareschal – Der Genfer Psalter in Bearbeitungen für Tasteninstrumente

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Edited By Ramona Hocker and Matteo Nanni

Angesichts der Tatsache, dass die reformierte Liturgie üblicherweise keinen Raum für selbständige Instrumentalmusik bietet, sind die hier nach den Quellen CZ-Pn Bludov R 18, CH-Bu F IX 47, CH-Bu F IX 48 edierten kompletten Bearbeitungen des Genfer Psalters, die der Basler Lehrer und Organist Samuel Mareschal (1554–1640) anfertigte, bemerkenswert. Zudem bieten die Sätze in ihrer dem Stegreifspiel nahen Faktur seltene Einblicke in die Musizierpraxis und Instrumentalpädagogik im Kontext von Universität und Schulwesen. Nicht zuletzt sind Mareschals Tabulaturen auch Zeugnisse privater Frömmigkeit der nachreformatorischen Zeit in Basel und in Mähren.
Der vorliegende Band enthält eine Edition der drei autographen Tabulaturhandschriften, die durch einen kurzen historischen Abriss, Quellenbeschreibungen, Anmerkungen zur Notation und Transkription sowie ein Lesartenverzeichnis mit weiteren Informationen zum Schreibprozess ergänzt werden.
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Kritischer Bericht

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Anmerkungen zur Notation

Mareschal verwendet die so genannte neuere deutsche Orgeltabulatur, die seit ca. den 1570er-Jahren (z.B. im Tabulaturbuch des Bonifacius Amerbach) bis zum 18. Jahrhundert für die Aufzeichnung tasteninstrumentaler Musik hauptsächlich in Gebrauch ist.1

Ein Notensystem besteht aus drei Elementen: einer für beide Hände geltende Rhythmuszeile sowie jeweils einer Zeile mit den Tonbuchstaben für die beiden Hände (ein Gebrauch des Pedals ist nicht vorgesehen). Die Zeilen sind durch vertikale Linien voneinander separiert; dabei befindet sich auch zwischen den Tonsystemen eine solche Linie, so dass die Stimmen klar auf rechte und linke Hand verteilt werden. Diese konsequente Trennlinie zwischen linker und rechter Hand sowie die Reduktion auf eine Rhythmuszeile findet sich in anderen zeitgenössischen Quellen nur sehr selten.2

Mareschal überzieht die leeren Seiten im Voraus mit einem Raster, indem er mit Lineal die Seite mit einem Rand versieht und die horizontalen Linien zieht. Dabei sind die Zeilen für die Tonbuchstaben gleich hoch, die darüber liegende Zeile für die Rhythmuszeichen jedoch niedriger. In den beiden Basler Handschriften sind die durchgehenden vertikalen Tactus-Striche ebenfalls im Voraus in regelmässigen Abständen gezogen. In der für Žerotín angefertigten Handschrift setzt Mareschal die Striche frei; sie gehen durch beide Tonsysteme, berühren jedoch die vertikalen Systemgrenzen nicht. An den Zeilenschlüssen befindet sich hier eine doppelte Linie, während in den Basler Quellen ein kleiner doppelter Schrägstrich () auf der rechte und linke Hand trennenden Linie...

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