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Dinge, die die Welt bewegen

Zur Kohärenz im frühneuzeitlichen Prosaroman

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Martina Oehri

Dinge bewegen die Welt frühneuzeitlicher Prosaromane. Sie werden getauscht, verschenkt, gehen verloren und werden gefunden. In der Melusine wird eine tafel mit der ganzen Familiengeschichte gefunden, Fortuna schenkt Fortunatus im gleichnamigen Roman einen glücksseckel, in der schönen Magelona werden ringe genutzt, um die adlige Herkunft zu beglaubigen, und im Gabriotto und Reinhart dienen rosen Liebenden als heimliches Liebeszeichen. Werden diese Dinge in die Lektüre und Analyse der frühen Prosaromane einbezogen, so zeigt sich, dass ihr Aufbau keineswegs simpel und alleine vom Ende her bestimmt ist, wie ihnen oft vorgeworfen wird, sondern dass diese frühen Romane ganz einfach mit einem anderen Kohärenzsystem arbeiten als mit jenem, welches uns von den hoch artifiziellen höfischen Romanen der hochmittelalterlichen Blütezeit oder von modernen Romanen vertraut ist. In der Auseinandersetzung mit der Melusine, dem Fortunatus, der schönen Magelona und dem Gabriotto und Reinhart zeigt sich, dass jeder dieser Romane auf seine ganz eigene Art und Weise Dinge nutzt, um verschiedene Handlungswelten zu verbinden und Kohärenz herzustellen.
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3.2.3 Klainate als Objekte: Die drei magischen Gegenstände im Fortunatus

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Anders als in der Melusine wird im Fortunatus nicht nur ein Gegenstand als Objekt ausgestellt, sondern der Roman konstituiert drei magische Requisiten282 als Objekte: den Glücksäckel, das Wünschelhütlein und die magischen Äpfel. Der folgende Abschnitt widmet sich diesen drei Objekten und ihren Besonderheiten, um sie von anderen konkreten Gegenständen im Text abzugrenzen. Neben der Darlegung der Gegenstände als Objekte wird auch nach der Konstituierung, Konzeption und Verortung der Gegenstände in der Handlungswelt gefragt. Dabei wende ich mich zunächst dem Glücksäckel zu, bevor analog dazu das Wünschelhütlein und die Zauberäpfel beleuchtet werden.

Als erstes und zugleich bedeutendstes283 Objekt für den Protagonisten Fortunatus stellt der Text den Glücksäckel aus, welcher Fortunatus in der Begabungsszene284 durch die iunckfraw des glücks (430, 8) überreicht wird. Erst mit diesem Objekt beginnt der soziale Aufstieg des Protagonisten. Ich ← 98 | 99 → rekapituliere an dieser Stelle kurz die Ereignisse bis zur Begabungsszene im Wald, um diese in den syntagmatischen Ablauf des Romans einordnen zu können.

Fortunatus wird als Sohn des lebensfreudigen burger (388, 27) Theodorus und Graciana geboren. Nach der Hochzeit und der Geburt seines Sohnes Fortunatus ändert Theodorus nicht wie erhofft seinen Lebensstil, sondern verspielt sein gesamtes Vermögen, sodass er so arm [ward] das er weder knecht noch mgt vermocht vnd můßt die gůt fraw Graciana selber kochen vnnd wschenn als ain armes verkaufftes weib. (389, 15–19) Als Fortunatus...

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