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Tier im Text

Exemplarität und Allegorizität literarischer Lebewesen

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Edited By Hans Jürgen Scheuer and Ulrike Vedder

Ob Tiere als Begleiter des Menschen oder als seine Gegenspieler die Literatur bevölkern, ob sie als Exempel, Symbole oder Allegorien eingesetzt werden, ob sie sprachlos oder sprechend leiden und agieren, ob sie gänzlich unabhängig in eigenen Lebens- und Zeichenwelten situiert werden oder als monströse und phantastische Kompositwesen selbst solche verkörpern. In literarischen Texten sind Tiere stets mehr und anderes als nur stumme Elemente einer realen oder fiktiven Welt.
Die Vielfalt der Funktionen des «Topos Tier» steht im Zentrum dieses Bandes, dessen Textcorpus von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur bis ins 21. Jahrhundert reicht und dessen Beiträge der Faszination literarischer Lebewesen aus verschiedenen Blickwinkeln – gattungs- und wissensgeschichtlich, psycho- und diskurshistorisch, gendertheoretisch und poetologisch – nachgehen.
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Untergraben und Abfedern: Günter Eichs poetische Tierwelt

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ROLAND BERBIG

Untergraben und Abfedern

Günter Eichs poetische Tierwelt*

I.

Dass ‚Tiere‘ eine Literaturgeschichte von fulminantem Ausmaß geschrieben haben, wer wird es ernstlich bezweifeln. Man muss nicht die Schöpfungsgeschichte bemühen, um an die Wurzeln zu gelangen, obwohl ihr mythischer Grund dort gelegt wurde. Eine menschliche Existenz ohne Tiere zu denken, ist ausgeschlossen. Umgekehrt, wir wissen es und werden es mit jeder Daseinswendung immer nachhaltiger wissen, liegt es anders. Die Tierwelt in ihrer Vielfalt bedarf des Menschen nicht, ja, möglicherweise wird sie erst nach dessen absehbarem Ende ihren eigentlichen Anfang nehmen. Einziger Verlust wird der sein, der dieses Projekt mitbegründet und rechtfertigt: ihre Zeichenhaftigkeit. Im hier waltenden Zusammenhang ist das nicht nur an-, sondern auch hinzunehmen. Die im Raum stehende Frage ist weniger anthropologischer als poetischer, wenn nicht poetologischer Natur. Was richtet die Tierwelt an, gerät sie in Dichterhände? Wie besteht, wie übersteht sie den Transfer ins Poetische? Was veranlasst den Dichtenden gerade in dieses Zeichenarsenal zu langen, um im Diktat der Poesie die richtigen Buchstaben zu setzen?

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