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Tier im Text

Exemplarität und Allegorizität literarischer Lebewesen

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Edited By Hans Jürgen Scheuer and Ulrike Vedder

Ob Tiere als Begleiter des Menschen oder als seine Gegenspieler die Literatur bevölkern, ob sie als Exempel, Symbole oder Allegorien eingesetzt werden, ob sie sprachlos oder sprechend leiden und agieren, ob sie gänzlich unabhängig in eigenen Lebens- und Zeichenwelten situiert werden oder als monströse und phantastische Kompositwesen selbst solche verkörpern. In literarischen Texten sind Tiere stets mehr und anderes als nur stumme Elemente einer realen oder fiktiven Welt.
Die Vielfalt der Funktionen des «Topos Tier» steht im Zentrum dieses Bandes, dessen Textcorpus von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur bis ins 21. Jahrhundert reicht und dessen Beiträge der Faszination literarischer Lebewesen aus verschiedenen Blickwinkeln – gattungs- und wissensgeschichtlich, psycho- und diskurshistorisch, gendertheoretisch und poetologisch – nachgehen.
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„Der Mensch als Augentier“: Zur Zoopoetik Marcel Beyers in den Romanen „Flughunde“ und „Kaltenburg“

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DOROTHEE WIESER

„Der Mensch als Augentier“:

Zur Zoopoetik Marcel Beyers in den Romanen „Flughunde“ und „Kaltenburg“

„Wenn die Menschen über Tiere reden, reden sie von sich. […] Wenn die Menschen über die Menschen reden, indem sie über die Tiere reden, werden sie unvorsichtig.“1 – Diese These Silvia Bovenschens soll als Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen zur Zoopoetik Marcel Beyers in den Romanen Flughunde und Kaltenburg gewählt werden: In beiden Romanen wird Tieren eine prominente Funktion im Zuge der Reflexion von Erfahrungen in historischen Konstellationen zugeschrieben. Damit ist zum einen zu fragen, was über menschliches Verhalten sowie über das menschliche Erinnerungs- und Reflexionsvermögen durch das Reden bzw. die Wahrnehmung von Tieren ausgesagt wird und welche Unvorsichtigkeiten unvermeidlich sind. Zum anderen ist durch die Kontrastierung der beiden Romane zu klären, wie diese Form der Reflexion qua Tier zu charakterisieren ist. Es gilt also, die je spezifischen Konstellationen von Mensch und Tier und die damit verbundenen Modellierungen der anthropologischen Differenz und des Natur-Kultur-Verhältnisses mit Blick auf das (historische) Reflexionspotential zu untersuchen.

I.„Flughunde“: Tiere als Projektionsfiguren

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