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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Vorwort

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Die Rezeption eines Kunstwerks ist ein pluralistischer Vorgang, der tendenziell aus der Summe aller unendlichen Lektüren eines literarischen Textes bzw. aller musikalischen Hörerlebnisse, sämtlicher Betrachtungen eines Bildes oder einer Skulptur sowie aller Akte der multimedialen Rezeption einer Inszenierung, eines Films, einer Performance usw. besteht. Die Totalität dieser einzelnen Rezeptionen, die von der immer neuen und immer unterschiedlichen Interaktion der im Kunstwerk enthaltenen Appellstrukturen und dem Erwartungshorizont des jeweiligen Empfängers abhängen, verleiht dem Kunstwerk sein Leben und lässt es in Raum und Zeit wachsen und sich entwickeln. Angesichts dieser schon an und für sich pluralistischen Natur der Rezeption verweist also die Pluralform „Rezeptionen“ im Titel des vorliegenden Sammelbandes offensichtlich auf eine andere Art von Pluralität, d. h. vor allem auf die unterschiedlichen Modalitäten, aber genauso auf die verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption.

Im Bereich der Literatur bildet natürlich die Textedition die erste Vermittlungsstufe eines Werkes. Ausgerechnet bei Georg Büchner ist die Editionsgeschichte bekanntlich sehr verwickelt, aber gerade deswegen auch sehr mannigfaltig und von einer endgültigen Lösung noch weit entfernt; sie stellt den Ausgangspunkt für eine ebenfalls kontroverse Forschungs- und Wirkungsgeschichte dar. Weitere Vermittlungsstufen bilden die Übersetzungen des Werkes, die zwar im gleichen Medium verbleiben und sich unmittelbar auf das Original beziehen, dabei jedoch bereits das Produkt einer Interpretation durch den Übersetzer sind und das Werk darüber hinaus für eine neue, interkulturelle Dimension öffnen, indem sie es in unterschiedliche sprachliche, literarische...

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