Show Less
Restricted access

Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

Series:

Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
Show Summary Details
Restricted access

Kreuzungspunkte in den Wirkungsgeschichten Heinrich Heines und Georg Büchners: Dietmar Goltschnigg

Extract

Dietmar Goltschnigg (Graz)

In den jeweils dreibändigen wirkungsgeschichtlichen Dokumentationen, die ich im letzten Jahrzehnt zu Büchner (BM)1 und – gemeinsam mit Hartmut Steinecke – zu Heine (HN)2 vorgelegt habe, gibt es zwischen den beiden Vormärzdichtern immer wieder Berührungspunkte, deren genauere Untersuchung nach wie vor ein lohnendes Forschungsdesiderat darstellt. Heine und Büchner haben vieles gemein: die enge Verschränkung von Literatur und Politik, die oppositionelle Haltung zu den deutschen Restaurationsverhältnissen im Gegensatz zu den als fortschrittlicher empfundenen „französischen Zuständen“, die Faszination für die Freiheits-, Gleichheits- und Brüderlichkeitsparolen der Französischen Revolution, die Aversion gegen die deutschnationalen Burschenschaften, beider strafrechtliche Verfolgung, das Exil in Frankreich und anderes mehr. Allerdings gilt es auch gewisse Unterschiede der beiden Autoren nicht außer Acht zu lassen – im Hinblick etwa auf die Durchsetzung notwendiger sozialpolitischer Veränderungen, auf die bekanntlich schon Büchner in seinem berühmten Brief vom 1. Januar 1836 aus Straßburg an die Familie hingewiesen hat, wo er sich von „dem sogenannten Jungen Deutschland“, „der literarischen Partei Gutzkows und Heines“, dezidiert abgrenzte: „Nur ein völliges Mißverkennen unserer gesellschaftlichen Verhältnisse konnte die Leute glauben machen, daß durch die Tagesliteratur eine völlige Umgestaltung unserer religiösen und gesellschaftlichen Ideen möglich sei.“ (B: 313).3 Wichtiger als die Freiheit der Presse, erklärte der Verfasser des Hessischen Landboten (nach dem Bericht seines Mitverschworenen August Becker), sei es, den Hunger tausender Untertanen zu stillen (B: 368). Indes gibt es...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.