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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Büchner und Wedekind: Ariane Martin

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Ariane Martin (Mainz)

Ich greife aus den vielen Zeugnissen zu Wedekind in Büchners Rezeptionsgeschichte zunächst drei Stimmen heraus: „Wedekinds Werk atmet […] die lebendige Beziehung und Berührung mit Georg Büchners Gestaltenwelt“,1 hat Hans Mayer 1946 assoziiert. „Als Poet ein Ahnherr Wedekinds“,2 urteilte Walter Jens 1963 über Büchner. Dagegen meinte Albert Drach 1988: „Büchner war kein Vorläufer, wie manche meinen […]. Er war seiner Zeit mit Siebenmeilenstiefeln voraus und wurde nicht einmal von seinem besten Schüler Frank Wedekind eingeholt.“3 Weitere subjektive Stimmen dieser Art wären leicht anzuführen. Dietmar Goltschnigg hat schon 1975 die „zahlreichen Hinweise auf die Bedeutung Büchners“ für Wedekind zutreffend als bloße „Einflußhypothesen“ und „Vermutungen“4 charakterisiert. Die von ihm skizzierten Versuche der damaligen Forschung, „Wedekinds Abhängigkeit von Büchner“5 plausibel zu machen, blieben gleichwohl hypothetisch. Daran hat sich bis heute nichts geändert.6 ← 41 | 42 →

Wie kommt es, dass wie selbstverständlich gesagt wird, Wedekind stehe in der Nachfolge Büchners? Um diese Frage zu beantworten, sichte ich Zuschreibungen einer angeblich ausgeprägten Büchner-Rezeption aus dem Umfeld des Autors und die wenigen Rezeptionszeugnisse, die von ihm selbst stammen, um abschließend einen kultur- und mediengeschichtlich weiter gespannten Rezeptionszusammenhang anzusprechen, der die beiden Dramatiker ebenfalls in eine Verbindung bringt, die im kulturellen Gedächtnis als offenkundig angenommen wird. Auch unabhängig vom hier zur Debatte stehenden Einzelfall geht es um drei Grundphänomene rezeptionsgeschichtlicher Prozesse, denen mit...

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