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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Leonce und Lena: Italienische Rezeptionen Serena Grazzini

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Serena Grazzini (Pisa)

Die Büchner-Rezeption in Italien beginnt im Jahr 1928 mit der ersten italienischen Übersetzung von Leonce und Lena,2 der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vier weitere folgten.3 Diese Übersetzungen haben dem Lustspiel einen Zugang zu den italienischen Bühnen – nicht nur zu den professionellen, sondern auch zu den Laienbühnen – verschafft, so dass heute der Text auch in Italien mit gutem Recht zu jenen Klassikern des europäischen Theaters zählt, die nicht nur gelesen, sondern auch inszeniert werden. ← 99 | 100 →

Diese erste vielversprechende Rezeption und das spätere Interesse vonseiten der Verlage und des Theaters gingen mit einer eher spärlichen literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Stück einher. Heute noch gilt das Hauptinteresse der italienischen Germanistik, die mit wichtigen,4 und manchmal nicht unumstrittenen Studien5 positiv zur internationalen Büchner-Forschung beitrug, eher den anderen Werken des Autors, während Leonce und Lena überwiegend in Aufsätzen Beachtung findet, deren Schwerpunkt das Gesamtwerk und das literarische Gesamtbild Georg Büchners bilden. Auf die Marginalität des Lustspiels in der literaturwissenschaftlichen Debatte wies schon die italienische Germanistin Giusi Zanasi anlässlich des Internationalen Symposions zur Georg-Büchner-Rezeption 2005 an der Vanderbilt University in Nashville/Tennessee hin:

Dabei finde ich es besonders erstaunlich, dass sich bisher kaum jemand von einem Text wie Leonce und Lena trotz der vielen Anspielungen auf unser Land hat inspirieren lassen: Natürlich beziehe ich mich u. a. auf die Vorrede mit dem Hinweis auf Alfieri...

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