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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Forschung und Übersetzung. Giorgio Dolfinis doppeltes Engagement für Georg Büchner: Gabriella Rovagnati

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Gabriella Rovagnati (Milano)

Mein Beitrag zur Rezeption Georg Büchners in Italien verbindet sich mit persönlichen Erinnerungen. Wenn der Name Büchner fällt, muss ich an meinen Lehrer Giorgio Dolfini denken. Die Tagung in Mailand ist eine Hommage an Büchner zu seinem 200. Geburtstag gewesen, der, wie man oft betont hat, in demselben Jahr geboren wurde wie Richard Wagner und Giuseppe Verdi. 2013 war aber zugleich auch das 30. Todesjahr Dolfinis, der 1983 im Alter von 56 Jahren durch einen Autounfall ums Leben kam.

Die Nachricht vom Tode Giorgio Dolfinis erreichte mich telefonisch in Wien, wo ich mich damals zu Recherchen aufhielt. Der Schock war groß, und es war mir sofort klar, daß ich mit ihm auch die sichere Führung meiner Zukunft im wissenschaftlichen Bereich verloren hatte. Ein paar Monate zuvor, kurz vor der Weihnachtszeit, hatte ich mich mit Dolfini in Wien in einem Café getroffen. Auf seine halb ernsthafte, halb sarkastische Art spornte er mich an, aus meiner weitgehend abgeschlossenen Materialsammlung endlich das geplante Buch zu Leopold von Andrian zu machen, das dann 1985 tatsächlich erschien.1 Mitgebracht hatte er mir die italienische Übersetzung von Hofmannsthals Buch der Freunde, die er mir unverpackt mit folgender Bemerkung in die Hand drückte: „Da Sie sich mit Wiener Fin de Siècle befassen, haben Sie vielleicht auch Spaß daran, zu lesen, wie die Sprüche in der Sprache von Gabriella Bemporad2 klingen.“ Das Geschenk hatte mich so überrascht, dass mir nicht einmal einfiel,...

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