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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Hat die ältere Forschung die teilweise von Brecht selbst gezogene Büchner-Brecht-Linie vor einem so gut wie gesicherten „Grundbestand an Gemeinsamkeiten“ (Hinck) als selbstverständlich betrachtet, so kommen neuere Studien zum gegenteiligen Ergebnis, nämlich dass selbst der frühe Brecht Büchner zwar „wahrgenommen“ habe, dies ohne ihm aber „allzu große Bedeutung bei[zu]messen“ (Hillesheim). Der Beitrag versucht einerseits anhand der heute verfügbaren Quellen zu Brecht und dessen Arbeitsumfeld die spärlichen expliziten Aussagen zu Büchner und weitere Belege als Spuren einer untergründig und zwiespältig verlaufenden Rezeption zu lesen, andererseits fragt er angesichts dieser komplizierten Überlieferung nach den Gründen für Brechts durchaus problematische Büchner-Nachfolge.

Keywords

Georg Büchner; Bertolt Brecht; Literarische Rezeption; Episches Theater; Berliner Ensemble; DDR.

Gegenstand des Beitrags ist die Woyzeck-Inszenierung, die am 11. September 2012 im Teatro Comunale von Ferrara stattgefunden hat. Sie war das Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung der Insassen der Haftanstalt von Ferrara mit Büchners Stück unter der Leitung von Horacio Czertok. Der Aufsatz rekonstruiert zuerst Czertoks Theater- und Schauspielertheorie. Anschließend werden v. a. die Einflüsse der Gefängnissituation auf die Interpretation des Stückes hervorgehoben. Woyzeck bleibt auch bei dieser Aufführung zwar wie bei Büchner ein Opfer der Umstände und der Gesellschaft, er begehrt aber andererseits v. a. in seinen Liedern gegen sein Schicksal auf. Dadurch bietet er kein Beispiel für Resignation, sondern eröffnet den Häftlingen vielmehr...

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