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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. III

Beiträge zur dritten Arbeitstagung in Wissembourg / Weißenburg (März 2014)

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Peter Hvilshøj Andersen-Vinilandicus and Barbara Lafond-Kettlitz

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger und neulateinischer Rezeptionsliteratur auf. In Kontinuität mit der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 und der zweiten in Hundisburg 2013 sind die Beiträge dieses Bandes dessen Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtlicher Wertung gewidmet. Sie befassen sich mit der Rezeption und Verbreitung antiker Kultur (Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Sophokles und Ovid), mittelalterlicher Stoffe und Renaissanceliteratur sowie mit den Filiationen neulateinischer Dramen, Fabeln und Romane, teilweise bis ins 18. Jahrhundert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Rekontextualisierung, auf der Art, wie der Text dem anderen kulturellen Bezugsrahmen angepasst wird. An herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler (Nibelungensage, Narrenschiff, Melusine) und neulateinischer Dramen werden außer ästhetischen Problemen sozio-kulturelle Transfers dargestellt, so etwa die ideologische Funktionalisierung zu didaktischen, moralischen, politischen und konfessionellen Zwecken.
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Vom Liebesverbot zum Leseverbot: Die deutsche Rezeption von Pyramus und Thisbe in Mittelalter und Früher Neuzeit

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Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag zeigt, wie sich das Verhältnis der Protagonisten zu ihren Eltern in der Rezeptionsgeschichte wandelt und das Liebesverbot kontextspezifisch überformt wird. Während Ovid die Väter in den Metamorphosen als gottgleiche Autorität präsentiert und ihr Verhalten jeder Kritik entzogen scheint, wird das Liebesverbot in der mittelhochdeutschen Versnovelle von der gesellschaftlichen Institution der ‚huote‘ gestützt und Mitleid mit den trauernden Eltern geweckt. Die frühneuhochdeutschen Interpreten, Jörg Wickram, Gerhard Lorichius und Johannes Spreng, betonen dagegen die Verantwortung der Eltern für das Wohlergehen der Kinder und erteilen Ratschläge zur angemessenen Erziehung, die für Mädchen besonders restriktiv ausfallen. Das Verbot verschiebt sich auf diese Weise von der Handlungs- auf die Rezeptionsebene: Junge Frauen müssen nicht nur vom Lieben, sondern auch vom Lesen erotischer Literatur abgehalten werden.

Stichworte: Albrecht von Halberstadt, Sigmund Feyerabend, Gerhard Lorichius, Metamorphosen, Ovid, Pyramus, Ivo Schöffer, Johannes Spreng, Thisbe, Jörg Wickram

Die unglückliche Liebe von Pyramus und Thisbe gehört zu den bekanntesten Motiven der Weltliteratur: Zwei junge Menschen verlieben sich ineinander, dürfen aber nicht zusammenkommen und suchen daher nach Wegen, das Verbot zu umgehen. Sie verabreden sich zu einem heimlichen Treffen nachts im Wald, wo sie durch ein schreckliches Missverständnis beide ums Leben kommen. Pyramus begeht Selbstmord, weil er Indizien fehlinterpretiert und seine Geliebte für tot hält. Thisbe, die den Irrtum nicht rechtzeitig aufklären konnte, folgt ihm in den Tod. Auf...

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