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«Da habe ich alles, was Serbisch war, verteufelt.»

Wie gesellschaftliche Diskurse die natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten von ethnischen Serbinnen und Serben in der Deutschschweiz beeinflussen

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Kathrin Pavic

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde in der (Deutsch)Schweizer Öffentlichkeit viel über Zuwanderinnen und Zuwanderer aus dem postjugoslawischen Raum – im speziellen aus Serbien – diskutiert. So war in den Medien, der Politik und an den Stammtischen die Rede von aggressiven und kriminellen «Jugos», «Balkanrasern» und serbischen Kriegsverbrechern.
Anhand von fünf biographischen Einzelfallanalysen geht die Autorin der Frage nach, wie Menschen mit serbischem Migrationshintergrund mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben in ihrer Lebensgeschichte umgehen und welche Auswirkungen diese auf ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunfts- und zum Aufnahmeland haben. Hierbei stellen nicht nur der Zusammenhang von Diskurs und Biographie einen wichtigen Aspekt dar, sondern auch die transnationalen Bezüge der Befragten.
Neben den fünf Einzelfallanalysen, die auf narrativen Interviews beruhen, bildet die Aufarbeitung des sich wandelnden Diskurses über ImmigrantInnen aus dem (post)jugoslawischen Raum seit den 1960er Jahren das Kernstück dieser Arbeit. Zudem wird auf weiterführende Fragestellungen und auf die damit einhergehenden integrationspolitischen Implikationen hingewiesen.
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4. Theoretischer Input: Kategorisierungen – Stereotypisierungen – Repräsentationen

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Bevor ich mich den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen widme, in deren Rahmen über ethnische SerbInnen in der Deutschschweiz gesprochen wird, gehe ich auf einer theoretischen Ebene auf Kategorisierungs- und Stereotypisierungsprozesse ein. Hierzu beziehe ich mich sowohl auf Ansätze aus der „social identity theory“ (vgl. Hogg 2006; Tajfel 1982) wie auch auf Erwing Goffmans Stigma-Theorie (1967 [1975]) (Kap. 4.1.). Daran anschliessend setze ich mich dem Aspekt der (symbolischen) Macht, der mit Kategorisierungs- und Stereotypisierungsprozesse einhergeht, auseinander. Ich werde mich auf Stuart Hall (1997; 2004) beziehen, der Stereotypisierungen als „Repräsentationspraktiken“ versteht (Kap. 4.2.). Zuletzt betrachte ich Repräsentationen des Balkans und Jugoslawiens anhand von „mental maps“ und Raumbildern (Kap. 4.3.). Dabei schliesse ich an Todorovas Konzept des „Balkanismus“ an (Kap. 4.2.1.). Stereotypisierungs- und Kategorisierungsprozesse und auch die Repräsentationen der Herkunftsregion beeinflussen, wie über JugoslawInnen oder ethnische SerbInnen in der Schweiz gesprochen wurde. Dies wird sich in Kapitel 5 zeigen.

Kategorisierungs- und Stereotypisierungsprozesse sind bedeutsam für diese Arbeit, weil Zuwanderinnen und Zuwanderer bei einer ersten Begegnung mit Einheimischen oft erst einmal als Angehörige ihrer Nation oder Ethnie identifiziert werden. Dementsprechend werden ihnen bestimmte Merkmale und Eigenschaften zugeschrieben, wobei vielfach auf gängige Stereotypen zurückgegriffen wird. Das Bild, das sich die einheimische Bevölkerung vom Herkunftsland der Zuwanderer macht, färbt auf die Zuwanderer ab und beeinflusst letztendlich die kollektive Sicht auf dieselben (vgl. Negele/Pfändler 1994: 438). In diesem Zusammenhang spricht die Soziologin Elisabeth Beck- Gernsheim (2007 [2004]:12–14) von „Folklore des Halbwissens...

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