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«Da habe ich alles, was Serbisch war, verteufelt.»

Wie gesellschaftliche Diskurse die natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeiten von ethnischen Serbinnen und Serben in der Deutschschweiz beeinflussen

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Kathrin Pavic

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde in der (Deutsch)Schweizer Öffentlichkeit viel über Zuwanderinnen und Zuwanderer aus dem postjugoslawischen Raum – im speziellen aus Serbien – diskutiert. So war in den Medien, der Politik und an den Stammtischen die Rede von aggressiven und kriminellen «Jugos», «Balkanrasern» und serbischen Kriegsverbrechern.
Anhand von fünf biographischen Einzelfallanalysen geht die Autorin der Frage nach, wie Menschen mit serbischem Migrationshintergrund mit den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen über ethnische Serbinnen und Serben in ihrer Lebensgeschichte umgehen und welche Auswirkungen diese auf ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunfts- und zum Aufnahmeland haben. Hierbei stellen nicht nur der Zusammenhang von Diskurs und Biographie einen wichtigen Aspekt dar, sondern auch die transnationalen Bezüge der Befragten.
Neben den fünf Einzelfallanalysen, die auf narrativen Interviews beruhen, bildet die Aufarbeitung des sich wandelnden Diskurses über ImmigrantInnen aus dem (post)jugoslawischen Raum seit den 1960er Jahren das Kernstück dieser Arbeit. Zudem wird auf weiterführende Fragestellungen und auf die damit einhergehenden integrationspolitischen Implikationen hingewiesen.
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5. Vom „fleissigen Gastarbeiter“ zum „aggressiven Jugo“

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Im Folgenden betrachte ich jene Diskurse genauer, die über ethnische Serbinnen und Serben in der Schweiz geführt wurden und werden. Von besonderer Bedeutung ist erstens, in welchen Diskursbereichen überhaupt über die serbische Bevölkerung in der Schweiz gesprochen wird, und zweitens, welche Zuschreibungen und Konnotationen dabei verwendet werden. Die untersuchte Zeitspanne reicht von den 1960er Jahren, als die ersten, damals jugoslawischen Arbeitskräfte in die Schweiz kamen, bis in die Gegenwart.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, folge ich Franz Eders (2006: 13) Definition von Diskurs. Er versteht Diskurse als „Praktiken […], die Aussagen zu einem bestimmten Thema systematisch organisieren und regulieren und damit die Möglichkeitsbedingungen des (von einer sozialen Gruppe in einem Zeitraum) Denk- und Sagbaren bestimmen“. Diskurse vermitteln auf diese Weise ein Regelsystem, wie politische und gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenhänge gedeutet und wahrgenommen werden. Michael Schwab-Trapp (2002: 35–36) thematisiert einen weiteren wichtigen Aspekt des Diskurs-Begriffes, der bezüglich des Imageverlustes von Menschen aus dem postjugoslawischen Raum von Bedeutung ist. Er definiert den Diskurs als „öffentliches Gut, das nur in öffentlichen Auseinandersetzungen produziert werden kann, weil nur öffentlich diskutierte und innerhalb einer mehr oder weniger breiten Öffentlichkeit kollektiv angenommene Deutungsangebote als Deutungsvorhaben funktionieren können“. ← 97 | 98 →

5.1. Das politische Klima gegenüber AusländerInnen in der Schweiz: 1960–1990

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