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Prophetie und Politik

Die «Explanatio in Prophetia Merlini Ambrosii» des Alanus Flandrensis – Edition mit Übersetzung und Kommentar – Band 1 / Band 2

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Clara Wille

Um 1138 schrieb Geoffrey von Monmouth seine Historia regum Britanniae, die erste Darstellung der Artuslegende. Darin eingelegt sind die dunklen, bildgesättigten Aussprüche des Zauberers und Propheten Merlin. Teils behandeln sie die Vergangenheit der Britischen Inseln, teils sind sie Weissagungen auf ihre Zukunft. Sogleich zeigte sich das Bedürfnis, sie auszudeuten. Unter den zahlreichen Kommentaren ist die Explanatio in prophetia Merlini Ambrosii (um 1170) der umfassendste. Darin werden auch die Weissagungen auf die damalige Zukunft interpretiert. Als Urheber dieser umfangreichen Schrift gilt ein gewisser Alanus, gebürtig von Lille, später Bischof von Auxerre. Konkret wird darin auf das anglonormannische Königtum – auch in seinen Beziehungen zu Frankreich – eingegangen, auf die dynastischen Kämpfe und das Verhältnis von Kirche und weltlicher Macht. Die Sitten der Zeit werden gegeisselt: das Hofleben, die Priesterehe, ferner Zauberei und Aberglaube.
Der Text, bisher nur in Drucken des 17. Jahrhunderts zugänglich, wird im vorliegenden Werk erstmals kritisch ediert, in eine moderne Sprache übersetzt und im Hinblick auf seine historischen, geistesgeschichtlichen und literarischen Belange kommentiert.
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Buch II P 5–10

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1.

[P 5] Darauf wird der rote Drache in seine alten Gewohnheiten zurückfallen und danach trachten, gegen sich selbst zu wüten.

Nach Cadwallons Tod kehrte das ruhelose Volk der Briten, das den Frieden nicht ertrug, zu den Kriegen im Innern und den Bürgerzwistigkeiten zurück. Aber nicht ungestraft. Merlin fährt nämlich fort und verkündet, welches Unheil die entfesselte blinde Verwegenheit erlitten hat:

2.

Deshalb wird die Strafe Gottes kommen und jeder Acker wird die Bauern enttäuschen,

das heisst um ihren Ertrag bringen.

Ein grosses Sterben wird die Bevölkerung hinwegraffen und alle Völker entkräften. Die Übriggebliebenen werden den heimatlichen Boden verlassen.

Während die Briten im Bürgerkrieg gegeneinander kämpfen, wird unversehens die himmlische Strafe über sie kommen, gemäss welcher die Fremden wieder in die Städte und befestigten Orte der Briten zurückkehren werden. Auch werden Hungersnot und Tod über sie kommen, wodurch die Überreste der Bevölkerung völlig aufgerieben werden. Diejenigen aber, die so viel Unheil überlebt haben, werden zu fremden Völkern fliehen. Und das heisst es, wenn er sagt: Die Übriggebliebenen werden den heimatlichen Boden verlassen und auf fremden Feldern säen.

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