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Prophetie und Politik

Die «Explanatio in Prophetia Merlini Ambrosii» des Alanus Flandrensis – Edition mit Übersetzung und Kommentar – Band 1 / Band 2

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Clara Wille

Um 1138 schrieb Geoffrey von Monmouth seine Historia regum Britanniae, die erste Darstellung der Artuslegende. Darin eingelegt sind die dunklen, bildgesättigten Aussprüche des Zauberers und Propheten Merlin. Teils behandeln sie die Vergangenheit der Britischen Inseln, teils sind sie Weissagungen auf ihre Zukunft. Sogleich zeigte sich das Bedürfnis, sie auszudeuten. Unter den zahlreichen Kommentaren ist die Explanatio in prophetia Merlini Ambrosii (um 1170) der umfassendste. Darin werden auch die Weissagungen auf die damalige Zukunft interpretiert. Als Urheber dieser umfangreichen Schrift gilt ein gewisser Alanus, gebürtig von Lille, später Bischof von Auxerre. Konkret wird darin auf das anglonormannische Königtum – auch in seinen Beziehungen zu Frankreich – eingegangen, auf die dynastischen Kämpfe und das Verhältnis von Kirche und weltlicher Macht. Die Sitten der Zeit werden gegeisselt: das Hofleben, die Priesterehe, ferner Zauberei und Aberglaube.
Der Text, bisher nur in Drucken des 17. Jahrhunderts zugänglich, wird im vorliegenden Werk erstmals kritisch ediert, in eine moderne Sprache übersetzt und im Hinblick auf seine historischen, geistesgeschichtlichen und literarischen Belange kommentiert.
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Buch III P 11–20

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1. Nachdem König Wilhelm auf besagte Art getötet und dem königlichen Leichnam die letzte Ehre erwiesen worden war, wurde Heinrich, der jüngste Sohn König Wilhelms und der Königin Mathilda, Tochter Baldwins, des Grafen von Flandern, eines weisen und guten Mannes, zum König gewählt, nicht jedoch ohne den Widerspruch vieler, die auf der Gegenseite standen und sagten, dass man Robert, seinen Bruder, der sich damals auf dem Kreuzzug nach Jerusalem befand, zum König machen und ihm die Herrschaft über England gemäss dem Privileg des Erstgeborenen verleihen müsse, da ja feststehe, dass er wegen des hartnäckigen Zorns seines Vaters ungerechterweise enterbt worden sei. Aber die Partei Heinrichs trug den Sieg davon, wobei ihn vor allem Heinrich, Earl von Warwick, unterstützte, ein ehrwürdiger und verlässlicher Mann, dessen enger Freundschaft König Heinrich sich schon lange erfreute.

2. Als daher Heinrich im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1100, in seinem zweiunddreissigsten Lebensjahr, als König bestätigt worden war, liess er sofort in ganz England Befehl ergehen, die unrechtmässigen, von seinem Bruder errichteten Abgaben aufzuheben, Gefangene zu begnadigen und Häftlinge frei zu lassen. Er stellte auch die Gültigkeit der alten Gesetze vollständig wieder her und bekräftigte und bestätigte sie durch seinen und der Seinen Eid, auf dass sie nicht weiterhin in irgendeiner Weise verletzt würden; er vertrieb die Banden weibischer und verweichlichter...

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