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Prophetie und Politik

Die «Explanatio in Prophetia Merlini Ambrosii» des Alanus Flandrensis – Edition mit Übersetzung und Kommentar – Band 1 / Band 2

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Clara Wille

Um 1138 schrieb Geoffrey von Monmouth seine Historia regum Britanniae, die erste Darstellung der Artuslegende. Darin eingelegt sind die dunklen, bildgesättigten Aussprüche des Zauberers und Propheten Merlin. Teils behandeln sie die Vergangenheit der Britischen Inseln, teils sind sie Weissagungen auf ihre Zukunft. Sogleich zeigte sich das Bedürfnis, sie auszudeuten. Unter den zahlreichen Kommentaren ist die Explanatio in prophetia Merlini Ambrosii (um 1170) der umfassendste. Darin werden auch die Weissagungen auf die damalige Zukunft interpretiert. Als Urheber dieser umfangreichen Schrift gilt ein gewisser Alanus, gebürtig von Lille, später Bischof von Auxerre. Konkret wird darin auf das anglonormannische Königtum – auch in seinen Beziehungen zu Frankreich – eingegangen, auf die dynastischen Kämpfe und das Verhältnis von Kirche und weltlicher Macht. Die Sitten der Zeit werden gegeisselt: das Hofleben, die Priesterehe, ferner Zauberei und Aberglaube.
Der Text, bisher nur in Drucken des 17. Jahrhunderts zugänglich, wird im vorliegenden Werk erstmals kritisch ediert, in eine moderne Sprache übersetzt und im Hinblick auf seine historischen, geistesgeschichtlichen und literarischen Belange kommentiert.
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Buch V P 31–33

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1.

[P 31] Drei Quellen werden in der Stadt Winchester entspringen, deren Bäche die Insel in drei Teile zerschneiden. Wer aus der ersten trinkt, wird sich eines ziemlich langen Lebens erfreuen und nicht von plötzlichem Leiden befallen. Wer aus der zweiten trinkt, wird an unstillbarem Hunger zugrunde gehen und in seinem Antlitz wird Blässe und Schrecken sitzen. Wer von der dritten trinkt, wird der Gefahr eines plötzlichen Todes ausgesetzt sein, und sein Leichnam wird auch keine Grabstätte erhalten können. Da sie eine so grosse Gier vermeiden wollen, werden sie sich bemühen, sie unter verschiedenen Decken zu verbergen. Was auch immer für eine Masse darüber geworfen wird, sie wird die Gestalt eines anderen Körpers annehmen. Wenn nämlich Erde darüber geworfen wird, wird sie sich in Steine, die Steine werden sich in Holz, das Holz in Asche, die Asche in Wasser verwandeln. [P 32] Zudem wird aus der Stadt bei Knuts Wald eine Jungfrau herausgeschickt werden, damit sie dagegen ein Heilmittel anwende. Wenn sie alle ihre Künste versucht hat, wird sie die schädlichen Quellen allein mit ihrem Atem austrocknen. [P 33] Dann wird sie, sobald sie sich mit gesundem Wasser erquickt hat, in ihrer Rechten den Wald von Colidon, in ihrer Linken aber die Vorwerke von London tragen. Wo immer sie einhergeht, wird sie schweflige Tritte hinterlassen, die mit einer doppelten Flamme rauchen. Dieser Rauch wird die Rutenen...

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