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Prophetie und Politik

Die «Explanatio in Prophetia Merlini Ambrosii» des Alanus Flandrensis – Edition mit Übersetzung und Kommentar – Band 1 / Band 2

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Clara Wille

Um 1138 schrieb Geoffrey von Monmouth seine Historia regum Britanniae, die erste Darstellung der Artuslegende. Darin eingelegt sind die dunklen, bildgesättigten Aussprüche des Zauberers und Propheten Merlin. Teils behandeln sie die Vergangenheit der Britischen Inseln, teils sind sie Weissagungen auf ihre Zukunft. Sogleich zeigte sich das Bedürfnis, sie auszudeuten. Unter den zahlreichen Kommentaren ist die Explanatio in prophetia Merlini Ambrosii (um 1170) der umfassendste. Darin werden auch die Weissagungen auf die damalige Zukunft interpretiert. Als Urheber dieser umfangreichen Schrift gilt ein gewisser Alanus, gebürtig von Lille, später Bischof von Auxerre. Konkret wird darin auf das anglonormannische Königtum – auch in seinen Beziehungen zu Frankreich – eingegangen, auf die dynastischen Kämpfe und das Verhältnis von Kirche und weltlicher Macht. Die Sitten der Zeit werden gegeisselt: das Hofleben, die Priesterehe, ferner Zauberei und Aberglaube.
Der Text, bisher nur in Drucken des 17. Jahrhunderts zugänglich, wird im vorliegenden Werk erstmals kritisch ediert, in eine moderne Sprache übersetzt und im Hinblick auf seine historischen, geistesgeschichtlichen und literarischen Belange kommentiert.
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Buch III

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In Buch III werden die Prophezeiungen 11–20 behandelt, die sich auf die anglonormannische Zeit beziehen. In P 11–12 vom Anfang der Regierung Heinrichs I., 1100, bis zu deren Ende, 1135 handelt es sich um Prophetiae post euentum von Galfridus Monemutensis aus gesehen, der die Prophezeiungen um 1135 veröffentlichte. Die dann folgenden Prophezeiungen 13–20 sind Prophetiae ante euentum von Galfridus aus gesehen. In der von P 13–20 umfassten Zeitspanne liegt der fliessende Übergang von den Prophetiae post euentum zu den Prophetiae ante euentum (Lit. VEYSSEYRE/WILLE, Les commentaires latins). Alanus, der seinen Kommentar ungefähr um 1170 schreibt, betrachtet dagegen diese Prophezeiungen, P 13–20, als Prophetiae post euentum und bezieht sie auf die Zeit bis zur Herrschaft Heinrichs II. (König 1153–1189) und dessen Nachkommen. Es werden die politischen Hauptthemen des 12. Jh. und der anglonormannischen Gesetzgebung erwähnt, wie Bestrafung von Übeltätern, das Jagdgesetz und der Schutz der königlichen Wälder, das Münzgesetz, etc. Das Ende der anglonormannischen Herrschaft, das noch nicht stattgefunden hat, legt der Kommentator in die nahe bevorstehende Zeit eines Enkels Heinrichs II. Der Kommentar ist, wie erwähnt, in der Zeit zwischen 1167–1174 entstanden. Es ist die Zeit, in der der Streit zwischen Papst und Kaiser, zwischen Papst und Heinrich II. sowie Heinrich II. und Thomas Becket stattfand. Papst Alexander III. sowie auch Thomas Becket befanden sich im Exil in Frankreich, von welchem grosse Teile in anglonormannischem Besitz waren. Die Zisterzienser waren...

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