Show Less
Restricted access

«Warum schweigt die Welt?» Die Entführung von Berthold Jacob

Eine Dokumentation

Series:

Edited By Charmian Brinson and Marian Malet

Berthold Jacob war einer der bekanntesten deutschen Journalisten und Pazifisten der Weimarer Republik, der als Anti-Nazi und Jude schon 1932 Zuflucht in Straßburg fand. Im März 1935 wurde er durch die Gestapo über die schweizerisch-deutsche Grenze entführt und in Berlin verhaftet, was internationales Aufsehen erregte. Mit einer gründlichen Einführung versehen, enthält der vorliegende Band bisher unbekannte und unveröffentlichte Briefe und andere Dokumente, die eine detaillierte Chronik der Bemühungen der Freunde im Exil entwerfen, Jacob aus seiner Berliner Haft zu befreien. Zugleich wirft das Buch ein neues Licht auf die schwierigen, nervenaufreibenden Lebensumstände antinazistischer Exilanten in den Emigrationsländern Europas.
Show Summary Details
Restricted access

Anhang Nr. 1: Auszug aus ‘Schriftsatz von Berthold Jacob’, September 1935

Extract

| 105 →

Anhang Nr. 1: Auszug aus ‘Schriftsatz von Berthold Jacob-Salomon’, StAB Gerichtsarchiv K-Z, Hans Wesemann, 1936 Bd. 15 #714, S. 11–24, und Nachtrag, o.S.

[Zwischen dem 17. und 20. September 1935 geschrieben]

Der 9. März

Ich hatte am 6. oder 7. März den schweizer Konsul in Strassburg aufgesucht und ihn unter Vorlage meiner Ausweispapiere um ein Einreisevisum in meinen alten Pass gebeten. Der Konsul erwiderte, dass ein ordentlicher deutscher Pass keines Visums bedürftig sei. Da mein Pass abgelaufen war, sei so nichts zu machen. Ich würde aber wahrscheinlich die Grenze passieren können, wenn ich ein französisches Papier besässe, aus dem klar hervorginge, dass ich in Frankreich aufenthaltsberechtigt sei und also dorthin zurückkehren könne. Aus dem französischen Papier, das ich dem Konsul vorgewiesen hatte, ging dies nämlich nicht klar hervor. Nach Ablauf der carte d’identité hatte ich im September 34 als Interimsausweis das sogenannte récipissé erhalten, dessen Gültigkeit bis zum Ende Oktober 34 befristet war. Vor und nach Ablauf dieses Termins hatte ich vergeblich versucht, von der lokalen Polizeibehörde einen Vermerk der Verlängerung auf dies Papier zu erhalten. Man hatte mir gesagt: da ich das Papier in Händen hätte, sei es auch gültig. Im andern Fall würde man es mir abgenommen haben. Im übrigen würde die neue carte d’identité bald ausgegeben werden. Dabei blieb es, obwohl ich noch mehrmals insistierte.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.