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«Warum schweigt die Welt?» Die Entführung von Berthold Jacob

Eine Dokumentation

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Charmian Brinson and Marian Malet

Berthold Jacob war einer der bekanntesten deutschen Journalisten und Pazifisten der Weimarer Republik, der als Anti-Nazi und Jude schon 1932 Zuflucht in Straßburg fand. Im März 1935 wurde er durch die Gestapo über die schweizerisch-deutsche Grenze entführt und in Berlin verhaftet, was internationales Aufsehen erregte. Mit einer gründlichen Einführung versehen, enthält der vorliegende Band bisher unbekannte und unveröffentlichte Briefe und andere Dokumente, die eine detaillierte Chronik der Bemühungen der Freunde im Exil entwerfen, Jacob aus seiner Berliner Haft zu befreien. Zugleich wirft das Buch ein neues Licht auf die schwierigen, nervenaufreibenden Lebensumstände antinazistischer Exilanten in den Emigrationsländern Europas.
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Anhang Nr. 2: Auszug aus Berthold Jacob, Warum schweigt die Welt?, Paris 1936

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Anhang Nr. 2: Auszug aus Berthold Jacob, Warum schweigt die Welt?, mit Beiträgen von Carl von Ossietzky, Georg Bernhard, W. Frank, Jack Iwo, A. Kantorowicz, Rudolf Leonhard, Paul Westheim, Paris: Editions du Phénix, 1936, S. 8–10

Warum schweigt die Welt? von BERTHOLD JACOB

Nach meinem Aufenthalt in den Zellen der Gestapo wurde ich in das Konzentrationslager im Columbia-Haus verschickt. Dort erhielt ich den stärksten Eindruck von der barbarischen Grausamkeit des Nazi-Regimes. Dies war am 29. März [1935], an einem Freitag im Columbiahaus. An diesem Tage war ich Zeuge einer schrecklichen Szene. Man muss übrigens beachten, dass die Nazis in ihrem Rachedurst den schweren Fehler begingen, einem Journalisten wie ich es bin, die Gelegenheit zur Beobachtung dessen zu geben, was sich in Berlin an dieser Stelle abspielt, die eine so traurige Berühmtheit erlangt hat, und wo so viele Menschen gefoltert werden.

Was ich an diesem Tage erlebt habe, werde ich niemals vergessen. Es spielte sich Früh-Nachmittags ab. Zunächst rückte eine Truppe der SS-Formationen in ihren schwarzen Uniformen im Marschschritt an und stellte sich im Hofe auf. Von meiner Zelle aus konnte ich die Rufe der Führer und ihre Kommandos hören. Gleich darauf wurde ein langer Zug von Gefangenen in den Hof geführt. Als alles fertig war, erschien der Kommandeur. In Gegenwart der Truppe und der Gefangenen hielt er eine kurze Ansprache, die ich nicht verstehen konnte. Ich hörte nur,...

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