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Körper – Kultur – Kommunikation - Corps – Culture – Communication

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Edited By Alexander Schwarz, Catalina Schiltknecht and Barbara Wahlen

Mit seinem Körper versucht der Mensch, Gemeinsamkeit mit anderen Menschen herzustellen (Kommunikation) und systemhaft aufrecht zu erhalten (Kultur). Gleichzeitig sind der Körper und seine Eigenarten, wie etwa das Geschlecht oder die Generation, Ergebnisse von Kommunikation in Kultur. Beides ist keine harmonische Wechselwirkung, sondern ein problematischer, ja «skandalöser» Konflikt, den die aus vielen Forschungskulturen, Sprachen und Disziplinen stammenden Beiträge dieses Bandes einerseits historisch dokumentieren und andererseits theoretisch weiter denken. Dabei liegt der Fokus auf dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit in Europa, als sich die modernen Beziehungsstrukturen noch nicht verfestigt hatten. Die Beiträge gehen auf die gleichnamige Tagung zurück, die im Mai 2013 in Lausanne stattgefunden hat. Sie sind auf Deutsch, Französisch und Englisch verfasst.
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Der übertragene Körper: Boccaccios Elegia di madonna Fiammetta in deutscher Sprache zwischen Früher Neuzeit und Romantik: Luisa Rubini Messerli

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LUISA RUBINI MESSERLI (LAUSANNE)

Der übertragene Körper: Boccaccios Elegia di madonna Fiammetta in deutscher Sprache zwischen Früher Neuzeit und Romantik

Giovanni Boccaccios Elegia di madonna Fiammetta1 (um 1343/1344) bietet sich wie kaum ein Text der Weltliteratur zur Analyse der Literarisierung von Körper und Gefühlen an. Das um erotisches Begehren kreisende Werk in einer weiblichen Ich-Erzählform ist in den institutionellen Gattungen schwer unterzubringen, insofern Elegie, Roman, Lyrik und Traktatistik darin koexistieren.2 Die gelegentliche, auf Francesco De Sanctis (1817–1883) zurückgehende Definition als „erster psychologischer Roman“ mutet „eher als willkürlich, als anachronistisch und ahistorisch“3 an, weil Boccaccios Beschreibungen kaum in eine echte psychologische Dimension eindringen, während die Unmittelbarkeit und Spontaneität des pseudoautobiographischen Bekenntnisses immer durch das rhetorisch-stilistische Element überlagert sind.4 In Evelyne Birge Vitz’ Worten gibt es „no sense of what we commonly call inner ‚breadt‘ or ‚depth‘ here: of an interior space with several forces or voices within. There is no psychological ← 257 | 258 → plurality […] So they provide no feeling of inner conversation or debate; no plurality. Each ‚I‘ is alone.“5 Dieses Ich zielt letztendlich darauf, das „poetic ‚I‘“ der mittelalterlichen Tradition zu sein, das – im Gegensatz zum „empirischen“ – „speaks in the name of man in general“,6 als Sinnträger eines exemplum. Fiammetta spricht am Ende als das mittelalterliche didaktische ‚Ich‘:

That he could reveal himself so often as a sinful protagonist of his stories […] is due to the his basic conviction, playfully...

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