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Körper – Kultur – Kommunikation - Corps – Culture – Communication

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Edited By Alexander Schwarz, Catalina Schiltknecht and Barbara Wahlen

Mit seinem Körper versucht der Mensch, Gemeinsamkeit mit anderen Menschen herzustellen (Kommunikation) und systemhaft aufrecht zu erhalten (Kultur). Gleichzeitig sind der Körper und seine Eigenarten, wie etwa das Geschlecht oder die Generation, Ergebnisse von Kommunikation in Kultur. Beides ist keine harmonische Wechselwirkung, sondern ein problematischer, ja «skandalöser» Konflikt, den die aus vielen Forschungskulturen, Sprachen und Disziplinen stammenden Beiträge dieses Bandes einerseits historisch dokumentieren und andererseits theoretisch weiter denken. Dabei liegt der Fokus auf dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit in Europa, als sich die modernen Beziehungsstrukturen noch nicht verfestigt hatten. Die Beiträge gehen auf die gleichnamige Tagung zurück, die im Mai 2013 in Lausanne stattgefunden hat. Sie sind auf Deutsch, Französisch und Englisch verfasst.
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„Jeder Sprechende ein Schwein“ (Karl Goedeke)? – Zu Eulenspiegels Körper in Prosaroman, Meistersang und Fastnachtspiel: Alexander Schwarz

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ALEXANDER SCHWARZ (LAUSANNE)

„Jeder Sprechende ein Schwein“ (Karl Goedeke)? – Zu Eulenspiegels Körper in Prosaroman, Meistersang und Fastnachtspiel

Die Versuchsanordnung ist folgende: Wir werden eine Historie des Prosaromans von Eulenspiegel, Straßburg 1510 ff., in dem Hans Sachs sich zwischen 1545 und 1555, also in seinem sechsten Lebensjahrzehnt, ausgiebig für Meisterlieder und Fastnachtspiele bedient hat, mit Sachsens entsprechendem Meisterlied und Fastnachtsspiel vergleichen und uns besonders für die Körper Eulenspiegels und seiner Mit- und Gegenspieler interessieren. Der Vergleich soll in die Frage münden, ob sich die oder zumindest einige der dabei entdeckten Unterschiede der Körperlichkeit mit den unterschiedlichen medialen Formen in einleuchtender Weise korrelieren lassen. Wir unterscheiden mit anderen Worten (a) das Vorlesen der Prosaroman-Historie, (b) das Vorsingen des Meisterliedes und (c) das Vorführen des Fastnachtspiels.

1.Prosaroman

Die 38. Historie des Kurtzweilig Lesen von Dil Vlenspiegel erzählt gemäß ihrem Titel, „wie Ulenspiegel dem pfarer zu Ryßenburg [recte: Kissenbrück bei Wolfenbüttel] sein pferd abred mit einer falschen beicht“. Die Historie findet sich bereits im von Peter Honegger in einem Zürcher Bucheinband aus dem späten 16. Jahrhundert entdeckten Fragment des von ihm auf 1510 oder 1511 datierten Erstdruckes aus Straßburg. Da wir nicht wissen, welche Ausgabe Sachs ← 475 | 476 → benutzt hat, gebe ich die Historie und die Zitate nach dem von Florence Brunner und mir edierten Erstdruck wieder.1 Die Geschichte ist in der Begrifflichkeit der Labovschen Erzählgrammatik2, deren Kernkonzept die Abfolge...

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