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Räume der Passion

Raumvisionen, Erinnerungsorte und Topographien des Leidens Christi in Mittelalter und Früher Neuzeit

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Edited By Hans Aurenhammer and Daniela Bohde

Ölberg, Pilatuspalast, Golgatha, Grabesstätte: die Passion Christi fand an konkreten Orten in und vor der Stadt Jerusalem statt. Der fromme Nachvollzug des Leidens des Erlösers in Mittelalter und Früher Neuzeit aktivierte diese räumliche Dimension auf vielfältige Weise. Kreuzwege und Kalvarienberge evozierten die Topographie der Kultstätten des fernen Heiligen Lands. Geistliche Schauspiele, Prozessionen und Hinrichtungsrituale verwandelten spätmittelalterliche Städte in hybride Räume, in denen die Erinnerung der Passion mit der Gegenwart der Gläubigen verschmolz. Tafelbilder, illustrierte Handschriften und Raumdekorationen eröffneten imaginäre Passionsräume, in die sich die Betrachterinnen und Betrachter versetzen konnten. Die Passion Christi wurde so verinnerlicht und erhielt einen Ort im Herzen der Gläubigen. Diese bisher vernachlässigte räumliche Dimension der Passionsfrömmigkeit ist das Thema des kunsthistorische, historische sowie literaturwissenschaftliche Beiträge umfassenden Bandes. Er verfolgt exemplarisch die Geschichte der zur Visualisierung der Passion Christi entwickelten Raumkonzepte und Raumsemantiken von der Spätantike bis zum 16. Jahrhundert.
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Golgatha – Etablierung, Transfer und Transformation. Der Kreuzigungsort im frühen Christentum und im Mittelalter

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BRUNO REUDENBACH

Golgatha – Etablierung, Transfer und Transformation.Der Kreuzigungsort im frühen Christentum und im Mittelalter

Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten (et educunt illum ut crucifigerent eum). […] Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt: Schädelstätte (in Golgatha locum, quod est interpretatum Calvariae locus). (Mk 15,20)

So wortkarg bleibt der Evangelist Markus in seiner Erzählung der Passion, als er auf den Ort der Kreuzigung zu sprechen kommt. Und auch die anderen Evangelien wissen mehr nicht zu berichten. Sie nennen lediglich Golgatha, den Ort des Geschehens, der Schädelstätte (Calvariae locus) genannt wird, (Mt 27,32; Lk 23,33; Joh 19,17). Zu diesem Ort zieht man hinaus (Mt 27,32: exeuntes; Mk 15,20: educunt; Joh 19,17: exivit); die Schädelstätte liegt also vor der Stadt, prope civitatem erat locus, wie es explizit bei Joh 19,20 heißt. Auch liegt sie wohl erhöht auf einem Hügel, denn Matthäus, Markus und Lukas erwähnen später noch, dass die Frauen der Kreuzigung von Ferne zuschauen konnten, de longe aspicientes (Mt 27,55; Mk 15,40; Lk 23,49). Schon der älteste Pilgerführer, das 333/334 verfasste Itinerarium Burdigalense des anonymen Pilgers von Bordeaux, spricht daher von dem monticulus Golgatha.1

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