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Hermann Bahr – Österreichischer Kritiker europäischer Avantgarden

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Edited By Martin Anton Müller, Claus Pias and Gottfried Schnödl

Bereits zeitgenössische Kritiker stehen irritiert vor der Breite des Werks des Schriftstellers und Journalisten Hermann Bahr (1863–1934) und monieren vor allem dessen Heterogenität. Verwirrung stiftet seine Praxis, ständig neue künstlerische Stile und kulturelle Tendenzen zu erahnen, sie zu lancieren und bald wieder zu ‚überwinden‘. Das lässt sich als Symptom für die um 1900 drastisch zunehmende Geschwindigkeit der kulturellen und technischen Entwicklung begreifen. So untersucht dieser Band, wie sehr das ‚Übermorgen‘ des Trendsetters Bahr nicht sowieso bereits die Gegenwart seiner Zeitgenossen darstellt. Die in diesem Band dokumentierten Aufsätze eint, dass er nicht als Vorreiter, sondern als Zeiterscheinung gefasst werden soll. Ursprünglich Vorträge einer Tagung, die im Mai 2013 in Berlin stattfand, erweitern sie die Diskussion in Bahrs Arbeitsfeldern Wirtschaftswissenschaften, Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie und Theater. Ferner behandeln sie seine Publikationspraxis sowie die Überlieferung seines Nachlasses.
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„Das Alte kracht in allen Fugen!“ Hermann Bahr und die Freie Bühne für modernes Leben: Gerd-Hermann Susen

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„Das Alte kracht in allen Fugen!“ Hermann Bahr und die Freie Bühne für modernes Leben

Gerd-Hermann Susen

Im Mai 1923 wurde Hermann Bahr zu seinem 60. Geburtstag eine Ehrung zuteil, wie sie nur noch wenige vor und nach ihm erlebt haben: Dem Jubilar war, wenn auch unter dem etwas verschämten Titel Österreich, nahezu eine ganze Nummer in Samuel Fischers Neuer Rundschau gewidmet. Nun darf man Bahr mit Fug und Recht als eine feste Größe unter den Beiträgern der Zeitschrift bezeichnen, der eine solche Auszeichnung zweifelsfrei verdient hat, denn in knapp zwei Dritteln aller Jahrgänge von 1890 bis 1923 ist er mit mindestens einem Artikel vertreten. Wie es sich gehört, kommt Hermann Bahr in diesem Heft natürlich auch selbst zu Wort. Neben zwei Beiträgen über ihn (von Raoul Auernheimer und Josef Nadler) bringt die Neue Rundschau u. a. zwei Vorabdrucke seiner neuesten Texte: die Einleitung zur Goetheausgabe des Jahres 1923 und das letzte Kapitel aus der eben fertiggestellten Autobiographie Selbstbildnis. Gerade dieses Buch spielt für die Wahrnehmung Hermann Bahrs durch die Forschung bis heute eine wichtige Rolle, so auch in Bezug auf die Zeitschrift, in der der Vorabdruck zu lesen war: die Neue Rundschau – oder vielmehr, wie sie 1890 noch hieß, die Freie Bühne für modernes Leben.

In den wissenschaftlichen Arbeiten zum Naturalismus wird die Geschichte der Zeitschrift in den unterschiedlichsten Ausprägungen vorgestellt; Übereinstimmung herrscht lediglich in zwei grundlegenden Fakten: 1) seit...

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