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Paradigmen der Kunstbetrachtung

Aktuelle Positionen der Rezeptionsästhetik und Museumspädagogik

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Edited By Peter J. Schneemann

Die vorliegende Publikation analysiert aktuelle Modelle der Kunstbetrachtung. Welche Vorstellungen einer idealen Beziehung zwischen Werk und Rezipienten haben sich als Leitbilder erwiesen? Erstmalig wird eine Differenzierung der von den jeweiligen Protagonisten verfolgten Interessen geleistet. In welchem Verhältnis stehen künstlerische und institutionelle Zielsetzung der Betrachterführung?
Die Beiträge internationaler Experten verfolgen künstlerische Konzeptionen ebenso wie Projekte der Vermittlung und methodologische Implikationen einer Kunstwissenschaft, die sich auf die Rezeptionsästhetik beruft.
Durch Fallstudien und pointierte Diskussionen wird die Tragweite der Fragestellung deutlich: Welche Freiheit wird der Figur des Betrachters zugebilligt, der doch als konstitutive Instanz für den Kunstbegriff so mächtig zu sein scheint?
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Die Kunst zwingt den Betrachter. Eine Phrase des Kunstjargons und ihre atavistischen Implikationen

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JÖRG SCHELLER

Im Fokus dieses Essays steht nicht das unmittelbare Verhältnis zwischen Artefakten und Betrachtern, sondern Texte, die Artefakte und Betrachter über diskursive Voreinstellungen in eine bestimmte Konstellation zu rücken versuchen. Ich möchte der Frage nachgehen, auf welche Weise »der Betrachter« in aktuellen Texten zur Kunst der Moderne und Gegenwart als »Kollektivsingular« impliziert wird. Wie werden »der Betrachter« und »sein« Verhältnis zu einem einzelnen Artefakt oder zum Gesamtwerk eines Künstlers imaginiert und wie wird diese Vorstellung in einen verbalen Diskurs eingespeist? Genauer gefragt: Inwiefern werden kontingente Artefakt-Betrachter-Konstellationen in aktuellen Texten zur Kunst, die sich gemeinhin als offen, pluralistisch, kritisch und aufgeklärt verstehen, verabsolutiert und in redundante, weil essentialistische und ahistorische Konstellationen verwandelt?

Dass ich im bislang Geschriebenen selbst einem fragwürdigen Kollektivismus verfallen bin, wenn ich von »aktuellen Texten zur Kunst der Moderne und Gegenwart« gesprochen habe, als handele es sich um ein homogenes Konvolut, ist klar. Mir ist bewusst, dass besagte Texte überaus vielfältig sind. So möchte ich denn auch nicht »die« Texte behandeln, sondern eine ubiquitäre Phrase, deren Gebrauch die Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur, zwischen Wissenschaft und Journalismus, zwischen Mythos und Diskurs, zwischen Werbung und Aufklärung überschreitet. Diese Phrase ist der Satz »der Künstler/die Kunst zwingt den Betrachter« eingedenk seiner zahllosen Paraphrasen, die sich über die Eingabe entsprechender Wortkombinationen in gängigen Suchmaschinen leicht erschließen lassen. ← 93 | 94 →



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