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Paradigmen der Kunstbetrachtung

Aktuelle Positionen der Rezeptionsästhetik und Museumspädagogik

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Edited By Peter J. Schneemann

Die vorliegende Publikation analysiert aktuelle Modelle der Kunstbetrachtung. Welche Vorstellungen einer idealen Beziehung zwischen Werk und Rezipienten haben sich als Leitbilder erwiesen? Erstmalig wird eine Differenzierung der von den jeweiligen Protagonisten verfolgten Interessen geleistet. In welchem Verhältnis stehen künstlerische und institutionelle Zielsetzung der Betrachterführung?
Die Beiträge internationaler Experten verfolgen künstlerische Konzeptionen ebenso wie Projekte der Vermittlung und methodologische Implikationen einer Kunstwissenschaft, die sich auf die Rezeptionsästhetik beruft.
Durch Fallstudien und pointierte Diskussionen wird die Tragweite der Fragestellung deutlich: Welche Freiheit wird der Figur des Betrachters zugebilligt, der doch als konstitutive Instanz für den Kunstbegriff so mächtig zu sein scheint?
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Deutungsabstinenz als Programm. Die Neuhängung der Tate Britain

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ROGER FAYET

Den Autoritätsgestus des interpretativen Zeigens weitestgehend zu vermeiden, ist das erklärte Ziel der strikt chronologischen Werkanordnung, in deren Rahmen die Tate Britain seit 2013 ihre Sammlungsbestände präsentiert. Direktorin Penelope Curtis beschreibt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Stärke der neuen Ausstellung damit, »einen neutraleren Weg [zu] bieten, die Sammlung wahrzunehmen«1 und »die Bilder mehr für sich selber sprechen« zu lassen. Die Radikalität der rigid chronologischen Hängung liege darin, dass »sie eben völlig neutral« sei. Der für die Präsentation verantwortliche Kurator Chris Stephens resümiert, man wolle »nicht mehr sagen: In diesem Raum geht es da- und darum.«2 Der Besucher solle seinen eigenen Weg finden in einer Ausstellung, die gemacht sei, um »mit traditionellen kunstgeschichtlichen Konstrukten aufzuhören«.3 Dabei konstatiert Stephens aktuell eine allgemeine »Bewegung weg vom Kurator als Autor«.4

In der zeitnahen medialen Rezeption findet die von Curtis und Stephens vorgeschlagene Gleichung chronologisch = neutral = nicht-autoritär breite Zustimmung. »Arranging art in order of when it was made does not impose anything on the visitor«,5 bestätigt Jonathan Jones im Guardian. Richard Dorment vom Telegraph sieht in der Neuhängung ein Zurück zur Kunstgeschichte »as it used to be taught before it was hijacked by academic theorists«.6 Im Independent unterscheidet ← 195 | 196 → Michael Glover die nun etablierte »tight chronology« von einer bislang üblichen »loose chronology«, die sich an Gruppenbildungen und »ismen« orientierte und bedauerlicherweise suggeriert...

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