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Paradigmen der Kunstbetrachtung

Aktuelle Positionen der Rezeptionsästhetik und Museumspädagogik

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Edited By Peter J. Schneemann

Die vorliegende Publikation analysiert aktuelle Modelle der Kunstbetrachtung. Welche Vorstellungen einer idealen Beziehung zwischen Werk und Rezipienten haben sich als Leitbilder erwiesen? Erstmalig wird eine Differenzierung der von den jeweiligen Protagonisten verfolgten Interessen geleistet. In welchem Verhältnis stehen künstlerische und institutionelle Zielsetzung der Betrachterführung?
Die Beiträge internationaler Experten verfolgen künstlerische Konzeptionen ebenso wie Projekte der Vermittlung und methodologische Implikationen einer Kunstwissenschaft, die sich auf die Rezeptionsästhetik beruft.
Durch Fallstudien und pointierte Diskussionen wird die Tragweite der Fragestellung deutlich: Welche Freiheit wird der Figur des Betrachters zugebilligt, der doch als konstitutive Instanz für den Kunstbegriff so mächtig zu sein scheint?
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Entwürfe einer Referenzfigur und ihrer Rollen. Die Adressierung des Rezipienten zwischen Einladung und Anweisung

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PETER J. SCHNEEMANN

Dokumente einer Überforderung

Anlässlich ihrer baulichen Erweiterung 2012 wandte sich die Tate Modern London mit einer Vielzahl von Flyern und Postern an ihre Besucher. Die vom Architektenteam Herzog und de Meuron kunstvoll erschlossenen, alten Öltanks sind als Ausstellungsorte für neuere Kunstformen konzipiert (Abb. 1). Nicht nur multimediale Installationen, sondern vor allem auch performative Arbeiten sollen hier ihren Aufführungsort erhalten. In diesem Kontext wurden die Besucher in höchst direkter Appellform adressiert (Abb. 2): »Listen and engage«; »Start a dialogue«; »Stop talking. Think more«; »Take action«; »Be in the moment«; »Understand«. In stilisierter Übertreibung möchte die Institution ihre Besucher herausfordern. Der so geformte Entwurf eines idealen Rezipienten kann als Kakophonie der Überforderung gelesen werden. Bei den gehäuften Imperativen klingen auch die Versprechen, die großen Verheißungen einer neuen Rolle, fast wie Drohungen: »No audience no art«; »Be the result of art«; See that you too can be art and that all around us is art«.



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