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Naturkunde im Wochentakt

Zeitschriftenwissen der Aufklärung

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Edited By Tanja van Hoorn and Alexander Košenina

In der Aufklärung wird umfassende Bildung über den Menschen, die Welt und die Kultur gefordert. Wissen über Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Geologie oder Meteorologie vermitteln – vor der rasanten fachlichen Spezialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere Zeitschriften.
Seit etwa 1750 konkurrieren auf dem Buchmarkt unterschiedlichste Periodika – vermischte Magazine, Rezensionsjournale, Moralische Wochenschriften –, die in Fachstudien, populären Essays, Lehrgedichten oder fiktionalen Erzählungen naturkundliche Inhalte an eine nicht minder vielfältige Leserschaft vermitteln. So entsteht eine populäre, öffentliche Akademie der Natur für das interessierte Bürgertum.
Der vorliegende Band sondiert dieses noch weitgehend unerschlossene Feld naturkundlichen Zeitschriftenwissens des 18. Jahrhunderts.
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Naturwissen und Poesie in Christlob Mylius’ physikalischer Wochenschrift „Der Naturforscher“: Simona Noreik

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Neben Abraham Gotthelf Kästner und Johann Christoph Gottsched zählt Christlob Mylius zu den bedeutendsten Wissenschaftsjournalisten der Aufklärung.1 Nichtsdestotrotz ist er heute nahezu in Vergessenheit geraten. In der Regel wird man als Leser nur mit ihm konfrontiert, beschäftigt man sich mit Lessings Biographie2 oder mit der Geschichte des aufklärerischen Zeitschriftenwesens: Mylius gehörte zum Kreis derjenigen Studenten in Leipzig, die sich um Gottsched versammelten und an dessen Journalen mitwirkten.3 Infolgedessen sollte er auch für das eigene Schaffen die periodische Publikationsform bevorzugen. Sein Werk setzt sich mit den Hauptproblemen zeitgenössischer Naturwissenschaft wie der Kometentheorie, dem Raumbegriff, der Materialität der Seele oder der Bevölkerung fremder Planeten auseinander. Kennzeichnend für seine Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Thematiken ist die Ablehnung der auf reine Theorie bedachten Schulgelehrsamkeit sowie, damit einhergehend, sein Fokus auf leichte Verständlichkeit und Unterhaltung, welche zur Popularisierung und Verbreitung naturkundlicher Kenntnisse beitragen sollten. Mylius greift dabei in seinen Diskursen ← 87 | 88 → zurück auf populäre, physikotheologische Argumentationsmodelle, wie sie sich z. B. in der Lyrik Barthold Heinrich Brockes’, aber auch in zeitgenössischen Periodika, vornehmlich den Moralischen Wochenschriften, fanden.

Bei den Moralischen Wochenschriften handelt es sich um eine spezifische Form periodischer Publikationen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die grundlegend zur Entwicklung einer neuen, selbstbewussten bürgerlichen Öffentlichkeit beitrugen.4 Bereits die Gattungsbezeichnung verdeutlicht, dass es vor allem die moralische Erziehung der Leser ist sowie die damit in direktem Zusammenhang stehende Vermittlung aufklärerischen Gedankenguts, die sich die Journale...

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