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Naturkunde im Wochentakt

Zeitschriftenwissen der Aufklärung

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Edited By Tanja van Hoorn and Alexander Košenina

In der Aufklärung wird umfassende Bildung über den Menschen, die Welt und die Kultur gefordert. Wissen über Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Geologie oder Meteorologie vermitteln – vor der rasanten fachlichen Spezialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere Zeitschriften.
Seit etwa 1750 konkurrieren auf dem Buchmarkt unterschiedlichste Periodika – vermischte Magazine, Rezensionsjournale, Moralische Wochenschriften –, die in Fachstudien, populären Essays, Lehrgedichten oder fiktionalen Erzählungen naturkundliche Inhalte an eine nicht minder vielfältige Leserschaft vermitteln. So entsteht eine populäre, öffentliche Akademie der Natur für das interessierte Bürgertum.
Der vorliegende Band sondiert dieses noch weitgehend unerschlossene Feld naturkundlichen Zeitschriftenwissens des 18. Jahrhunderts.
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Für Kenner und Liebhaber Zur Idee und Konzeption der Zeitschrift „Der Naturforscher“ (1774–1804): Ute Schneider

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Am 12. März 1773 wandte sich der Hallesche Verleger Johann Jakob Gebauer (1745–1818)1 an den Rektor der Universität Jena, den Theologen und Geologen Johann Ernst Immanuel Walch (1725–1778),2 um seine „gelehrte[n] Einsichten und guten Rath über einen Verlagsartikel […] zu erbitten“3. Der Verleger beabsichtigte, ein naturwissenschaftliches Journal zu gründen. Impulsgebend war die Beliebtheit naturkundlicher Themengebiete im bürgerlichen Publikum, was ihm als solide Ausgangsbasis für einen profitablen Absatz erschien. So argumentierte er vor Walch mit dem Interesse eines ← 137 | 138 → breiten Publikums: „Der itzige herrschende Geschmack an der Naturhistorie hat uns auf die Gedanken gebracht, eine Monatsschrift unter dem etwaigen Titel Das Anmutigste aus der neuesten Naturhistorie zu verlegen.“4 Gebauer wollte sein verlegerisches Interesse und kommerzielles Anliegen mit der voranschreitenden Verwissenschaftlichung des bürgerlichen Lebens verknüpfen. Der Verleger bat Walch um eine Einschätzung über das geplante Verlagsprodukt und lud ihn gleichzeitig ein, als Herausgeber zu fungieren.

Die leitende Frage hier ist die nach den Gründungsmotiven und den geschickten strategischen Überlegungen des Verlegers Gebauer, der den Verlag in zweiter Generation führte, und des Herausgebers Walch, um ein neues Journal auf dem expandierenden Buch- und Zeitschriftenmarkt der Aufklärung zu positionieren und es als Neuerscheinung für ein größeres Publikum attraktiv werden zu lassen.

Der Verlag Gebauer war zu dieser Zeit schon 40 Jahre auf dem Buchmarkt etabliert, verfügte über eine leistungsfähige Druckerei und hatte bereits renommierte Professoren sowohl von der...

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