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Naturkunde im Wochentakt

Zeitschriftenwissen der Aufklärung

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Edited By Tanja van Hoorn and Alexander Košenina

In der Aufklärung wird umfassende Bildung über den Menschen, die Welt und die Kultur gefordert. Wissen über Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Geologie oder Meteorologie vermitteln – vor der rasanten fachlichen Spezialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – insbesondere Zeitschriften.
Seit etwa 1750 konkurrieren auf dem Buchmarkt unterschiedlichste Periodika – vermischte Magazine, Rezensionsjournale, Moralische Wochenschriften –, die in Fachstudien, populären Essays, Lehrgedichten oder fiktionalen Erzählungen naturkundliche Inhalte an eine nicht minder vielfältige Leserschaft vermitteln. So entsteht eine populäre, öffentliche Akademie der Natur für das interessierte Bürgertum.
Der vorliegende Band sondiert dieses noch weitgehend unerschlossene Feld naturkundlichen Zeitschriftenwissens des 18. Jahrhunderts.
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Naturforschung in Aufklärungszeitschriften unter dem Blickwinkel des deutsch-italienischen Kulturtransfers: Giulia Cantarutti

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Man soll es mit Pristley und Lichtenberg halten, die „jedes Desideratum“ mit einer „halben Entdeckung“ (J 1935) gleichsetzten. Dieses Desideratum ist die Erkundung einer versunkenen Landschaft: die Präsenz italienischer Naturforschung in deutschen Aufklärungszeitschriften und umgekehrt. Wochenschriften und andere „im Wochentakt“ erschienene Periodika dürfen dabei als besonders wichtig betrachtet werden. Fokussiert wird in diesem Beitrag zunächst (I.) eine Lessing wohlvertraute Quelle,1 die Efemeridi letterarie di Roma, eine der bedeutendsten und langlebigsten italienischen Rezensionszeitschriften (1772–1798), die in ihrer hier berücksichtigten anfänglichen Phase 1772–1780 eine auffällige Aufgeschlossenheit gegenüber den Naturwissenschaften zeigt (vgl. Abb. 1). Einige Hinweise zur poetisierten Wissenschaft (II.) führen abschließend zu der 1756–1758 vom Hamburger Verleger Georg Christian Grund gedruckten Moralischen Wochenschrift Der physikalische und oekonomische Patriot (III.).

Es mag zunächst verwundern, dass die kleine, in Martens Standardwerk nur nebenbei erwähnte norddeutsche Wochenschrift2 Der physikalische und oekonomische Patriot. Oder Bemerkungen und Nachrichten aus der Naturhistorie, der allge ← 239 | 240 → meinen Aushaltungskunst und der Handlungswissenschaft, Einschlägiges aus Italien enthält. Dass es in Italien um die „wissenschaftliche[ ] Cultur und Aufklärung“3 schlecht stand, behaupten nämlich auch Reisende wie Friedrich Münter (1761–1830), ein in klassischen Studien nicht weniger als in Mathematik und Naturwissenschaft ausgebildeter Theologe und Freimaurer, dessen Kontaktperson in Rom, Giovanni Cristofano Amaduzzi (1740–1792), ein ähnliches intellektuelles Profil vorweisen konnte. Dieser Abt und confrère – bis 1780 prägte er die Linie der Efemeridi letterarie di Roma und...

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