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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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1. Einleitung

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1.Einleitung

Das Thema Organspende war in den vergangenen Jahren ein viel diskutierter Topus in den öffentlichen Medien. Vor allem die Organspendeskandale an den Kliniken in Göttingen, Leipzig, München rechts der Isar und Münster, die seit dem Sommer 2012 nach und nach ans Licht kamen, haben viele Menschen empört und verunsichert, so dass in Folge die Organspendezahlen bei der Postmortalspende deutlich zurückgegangen sind. Auch die Validität der Hirntoddiagnostik, die bis dato als verlässlich und sicher galt, wird seit dieser Debatte zunehmend auf den Prüfstand gestellt und kritisch hinterfragt.

Wie sich die Debatte um die rechtlichen Grundlagen der Organtransplantation auch inhaltlich verschoben hat, macht ein Blick in die Historie dieser Debatte deutlich: Wurde 2007 noch ein Alternativvorschlag des Deutschen Ethikrats (damals noch Nationaler Ethikrat) zum bestehenden Transplantationsgesetz heftig kritisiert, weil in diesem Elemente einer sogenannten „Widerspruchsregelung“ integriert waren, so sieht die am 25. Mai 2012 vom Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit beschlossene Reform des Transplantationsgesetzes vor, künftig alle Krankenversicherten ab dem 16. Lebensjahr regelmäßig hinsichtlich ihrer Einstellung zur Organspende zu befragen. Damit hat Deutschland zwar noch keine Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz verankert, aber so einfach wie bisher soll es den BundesbürgerInnen nun nicht mehr gemacht werden, sich dem Thema Organspende zu entziehen: Der heutige Außenminister und damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier, der im August 2010 medienwirksam eine Niere für seine Frau spendete, drückte es in seiner Erklärung zum Gesetzesentwurf im Bundestag folgendermaßen...

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