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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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2. Theorieteil: Gender Imbalance, Entscheidungsprozesse, Spendemotivationen in der Organspende

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2.Theorieteil: Gender Imbalance, Entscheidungsprozesse, Spendemotivationen in der Organspende

2.1Terminale Niereninsuffizienz und Transplantation als Behandlungsmethode der Wahl

Eine Organtransplantation ist inzwischen die Behandlungsmethode der Wahl bei einem terminalen Organversagen. In der Postmortalspende werden solide Organe wie das Herz, die Lunge, die Leber, die Nieren sowie Pankreas und Darm transplantiert. In der Lebendorganspende transplantiert man vor allem Nieren; denn jeder Mensch besitzt zwei; leben kann man aber auch mit nur einer Niere. Zudem werden in dringenden Fällen auch Leberteilspenden oder sogar Lungenteilspenden durchgeführt – meist nur in sehr dringenden Fällen, wie zum Beispiel von einem Elternteil für ein Kind, manchmal aber auch unter Eheleuten oder Verwandten, die ansonsten vom Tod bedroht sind. Die Leber hat gegenüber der Niere den Vorteil, dass sie bei der spendenden Person relativ schnell nachwächst. Dafür ist der Eingriff selbst für den/die Spender/in gefährlicher als eine Lebendnierenspende. Darauf wird noch zurückzukommen sein.

Eine terminale Niereninsuffizienz kann durch unterschiedliche Grunderkrankungen wie etwa Diabetes mellitus, Nephrosklerose, Glomerulonephritis, Zystennieren, Systemerkrankungen oder verschiedene angeborene Erkrankungen ausgelöst werden. Anders als vor 50 Jahren, als die Dialyse noch in den Kinderschuhen steckte und ein Platz an den raren Dialysestationen ein Glücksfall war, bedeutet eine terminale Niereninsuffizienz heute nicht mehr den sicheren Tod. Mit dem breiten Ausbau der Hämodialyse – einer Form der künstlichen Blutwäsche – gibt es für alle betroffenen PatientInnen ohne eigene Nierenfunktion eine Aussicht auf ein Weiterleben. Zumindest in den westlichen Industrienationen ist...

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