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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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5. Empirischer Teil II: Typenbildung

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5.Empirischer Teil II: Typenbildung

Damit die Falldarstellungen aus dem vorherigen Kapitel nicht auf Einzelfallebene verbleiben, soll nun in diesem Kapitel eine Typenbildung für die SpenderInnen vorgenommen werden. Auch für die EmpfängerInnen wurde eine Typenbildung angestrebt, jedoch zeigte das empirische Material, dass eine solche nicht möglich ist, ohne dem Material Gewalt anzutun oder künstlich Empfänger-Typen zu kreieren, die nicht materialgestützt sind. Stattdessen wurde nach Ähnlichkeiten in den EmpfängerInnen-Positionen (EhepartnerInnen, Kinder, Geschwister) gesucht. Dieses Vorgehen wird in den folgenden Abschnitten erläutert. Eine Typenbildung hat den Vorteil, dass damit die Ergebnisse verallgemeinert werden können und Vergleiche sowie Kontrastierungen zwischen den Spende-Typen möglich werden. Bevor die gefundenen Typen dargestellt werden, soll zunächst der Typusbegriff etwas näher erläutert werden.

5.1Der Typusbegriff

Kelle und Kluge (2010) kritisieren in ihrem grundlegenden Methodenbuch zur Typenbildung, dass die verwendete Terminologie in der Methodenliteratur sehr uneinheitlich hinsichtlich zentraler Konzepte wie „Typus“, „Merkmal“, „Kategorie“, „Merkmalsraum“ oder „Dimension“ sei und es aufgrund dessen immer wieder zu Missverständnissen und Konfusionen komme (ebd., S. 83). Nach Kelle und Kluge nimmt der Typusbegriff seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine zunehmend wichtigere Rolle innerhalb der Sozialwissenschaften ein (ebd.). Vor allem Max Weber (1988 und 1972) habe mit seinem Begriff des Idealtypus einen für die soziologische Theoriebildung wichtigen Begriff geprägt. Ein Idealtypus steht nach Kelle und Kluge „zwischen Empirie und Theorie, er bezieht sich auf reale empirische Phänomene, beschreibt sie aber nicht...

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