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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.
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Wiener Moderne avant la lettre? Friedrich Lienhards Tagebuchnovelle Die weiße Frau (1889)

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Wiener Moderne avant la lettre? Friedrich Lienhards Tagebuchnovelle Die weiße Frau (1889)

Abstract: Der Beitrag beleuchtet die modernen Anfänge des vermeintlich antimodernen Heimatkünstlers Friedrich Lienhard. Seine Tagebuchnovelle Die weiße Frau zeichnet die Identitätskrise ihres Protagonisten in literarisch avancierter Art und Weise nach. Zwei Jahre, bevor Hermann Bahr die „Überwindung des Naturalismus“ proklamiert, und zehn Jahre, bevor Arthur Schnitzler Bahrs Forderung nach einer Darstellung der „états d’âme“ dichterisch konsequent in die Tat umsetzt, erprobt Lienhard in seiner Ich-Erzählung bereits 1889 narrative Verfahren des Jungen Wien. Die Interpretation arbeitet die thematischen, semantischen und erzähltechnischen Ähnlichkeiten der Weißen Frau zu Erzähltexten der Wiener Moderne heraus. Darüber hinaus wird die weltanschauliche Dimension der Novelle analysiert, die den Hintergrund für Lienhards kulturkritisches Ressentiment gegenüber dem Naturalismus abgibt.

Keywords: Friedrich Lienhard, Hermann Bahr, Wiener Moderne, Antimoderne, subjektiviertes Erzählen, innerer Monolog, Heimatkunst, Naturalismus, Kulturkritik

Einleitung

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