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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.
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Anamnese der Krise Ärztliche Diagnostik in Reinhold Schneiders historischer Novelle Das Erdbeben (1932)

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← 98 | 99 →FLORIAN MARIA KÖNIG

Anamnese der Krise Ärztliche Diagnostik in Reinhold Schneiders historischer Novelle Das Erdbeben (1932)

Abstract: Reinhold Schneiders (1903–1958) historische Novelle Das Erdbeben entstand im Sommer 1931 in Göttingen und wurde Mitte April 1932 bei Jakob Hegner in Leipzig im Erstdruck publiziert. Die Forschung hat die Erzählung bislang nur am Rande und vereinzelt in Zusammenhang mit dem Thema „Krise“ betrachtet. Wenn dies geschah, wurde vor allem der kulturhistorische Kontext berücksichtigt und die Novelle als Krisenerzählung der späten Weimarer Republik gedeutet. Dabei wurde vor allem Schneiders Figur des Marquês de Pombal in den Blick genommen und als literarische Auseinandersetzung mit der Idee des ,großen Mannes‘ interpretiert. Dieser Beitrag erprobt demgegenüber eine Neuinterpretation und unternimmt den Versuch, Schneiders Novelle textimmanent als ,Krisenerzählung‘ zu konzeptualisieren. Zunächst wird auf der Ebene der Geschichte der Zusammenhang zwischen der Krise und der Naturkatastrophe beleuchtet. Dabei wird das Erdbeben in eine übergreifende Krisenerzählung integriert und als politisches Enthüllungsereignis vorstellt, das einen gesellschaftlichen und staatlichen Verfall des portugiesischen Königreiches Mitte des 18. Jahrhunderts sichtbar macht, der symptomatisch auf eine umfassende Krise verweist. Anschließend wird die narrative Ebene der Erzählung betrachtet und gezeigt, inwiefern Schneiders Erzählung dem Narrativ von ,Krisenerzählungen‘ folgt.

Keywords: Rheinhold Schneider, Alexander Wittich, Josef Dünninger, Werner Bergengruen, historische Novelle /historische Portugal-Erzählung, gegenwartsdiagnostische novellistische Selbstbeschreibung, Erlöser-, Führer- und Retter-Figuren im populären und intellektuellen Diskurs...

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