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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.
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„Gut is’ gangen, nix is g’schehn“ Legendäre Zeitgeschichten in Andreas Pittlers historischen Kriminalromanen über Österreich

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Abstract: Der Status der historischen Kriminalromane wird im Gegensatz zu den zeitgenössische Ordnungsvorstellungen ausleuchtenden Exemplaren der Gattung nur selten diskutiert. Ihre originelle Erkenntnisleistung, gar prosapoetische Innovativität setzt nämlich ein vertrautes historisches Referenzsystem voraus, das in den gattungstheoretischen Versuchen immer wieder als Hindernis für die Entfaltung der Verdachtsmomente angesehen wird. Andreas Pittlers Krimiserie, die die Schlüsselereignisse der österreichischen Zeitgeschichte zwischen 1913 und 1955 mit einem kriminalistischen Dreh versieht, liest sich vor diesem Hintergrund als tragfähiges Spiel mit den seriösen und parodistischen Komponenten des Genres, sich immer wieder in Klammern setzend, ohne jedoch auf den pädagogischen Anspruch der demokratiepolitisch wertvollen Geschichten zu verzichten.

Keywords: Historischer Kriminalroman, österreichische Zeitgeschichte, Vergangenheitsbewältigung, Antisemitismus, Dialektgebrauch, Realismus

An der reduzierten Komplexität des Erzählens und der Zeitgeschichte in den Kriminalromanen setzen immer wieder Untersuchungen zu hochkomplexen Themen wie Wissenschaftsmethodologie und Urbanisierung an, die für die Modellierung der Arbeitsweise der Semiotik und der Soziologie auf der Suche nach transparenten und die Veränderungen zeitnah dokumentierenden Vergleichsgrößen sind. Die sich aus der rationalen Logik des Genres ergebende „Banalisierung der Realität“, wie es bei Luc Boltanski mit Blick auf die grundlegende Disposition der Kriminalromane, auf die zeitgleiche Krise von Staat und Zivilgesellschaft, von Privatem und Öffentlichem heißt, „bildet die Grundlage für die krisenhafte Zuspitzung, die von einem sich ereignenden Verbrechen, dessen Zuschreibung Probleme bereitet, ausgeht und die aufdeckt, wie ungewiss und belastbar diese Realität doch ist“.1 Inwiefern...

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