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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.
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„You, sir, will be in pictures“ Fiktionalisierung der Lebensreform. Camp und Parodie in Christian Krachts Imperium

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„You, sir, will be in pictures“ Fiktionalisierung der Lebensreform. Camp und Parodie in Christian Krachts Imperium

Abstract: Christian Krachts jüngster Roman Imperium (2012) widmet sich der historischen Lebensgeschichte eines radikalen Anhängers der Lebensreformbewegung um 1900 und zeichnet sich durch einen äußerst spielerischen Umgang mit dem Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität aus. Der Beitrag stellt die Frage ins Zentrum, wie sich eine gegenwärtig-retrospektive und geschichtswissende Sicht auf diese, ein Jahrhundert zurückliegende, Biographie in der literarischen Fiktionalisierung abzeichnet. Unter Bezugnahme auf Susan Sontags Camp-Ästhetik wurde nicht nur die Hauptfigur in ihrer theatralen und artifiziellen Charakteristik als campy sondern auch die ironische und parodistische Perspektivierung der Geschichte durch den Erzähler als eine Erlebnisweise des Camp ausgewiesen: Die Erzähler-Kommentare parodieren durch eine betonte Ästhetisierung historiographische Argumentationsmuster und die faktische Biographie des Protagonisten weist, in Abgleich mit historischen Quellen, Überzeichnungen und Theatralisierungen auf, die die Absurdität der inhaltlichen Entwicklung auf die Spitze treiben. Als indirekte, komplexere Ironsierungsmethode wird außerdem auf die fiktive Montage anderer historischer Figuren (wie Thomas Mann und Hermann Hesse) in die diegetische Welt aufmerksam gemacht, sodass intertextuelle Querverweise zu zeitgenössischen literarischen Verhandlungen der Lebensreformbewegung aufgerufen werden.

Keywords: Lebensreform, Camp, Parodie, Geschichtsschreibung, Ironisierung, Theatralisierung, retrospektive Perspektivierung

Die Lebensreform als ästhetisiertes Camp-Sujet

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