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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Nochmals ein Blick auf Erzähler- und Autorfiktionen in den Simplicianischen Schriften und im Pikaro-Roman

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1.    Einleitung

In den folgenden Ausführungen soll versucht werden, die Spezifität von Grimmelshausens Erzählerfiktion und Autorfiktion in den Simplicianischen Schriften auf dem Hintergrund des Pikaro-Romans herauszuarbeiten. Obwohl der Simplicissimus Teutsch kein reiner Pikaro-Roman ist,1 soll er im Folgenden vor allem unter diesem Aspekt betrachtet werden.

Die Narrativik-Forschung hat bisher wenig darüber nachgedacht, was es heißt, dass der Pikaro-Roman immer einen homodiegetischen Erzähler aufweist, der seine eigene Lebensgeschichte nicht nur erzählt, sondern in aller Regel auch aufschreibt. Dies ist umso weniger selbstverständlich, als der Pikaro ja oft aus einfachen Verhältnissen stammt und erst spät etwas Bildung erwirbt. Der homodiegetische Erzähler, der in der modernsten Literatur fast zur Regel geworden ist, wird bis ins 18. Jahrhundert eigentlich nur für Memoiren und Bekenntnisse gebraucht und damit für nicht-fiktionale Gattungen. Der Pikaro-Roman hat allerdings einen berühmten Vorfahren mit einem homodiegetischen Erzähler in der Antike, Lukians bzw. Apuleius’ Goldener Esel.2 Wie die Pikaro-Romane beginnt auch der Goldene Esel mit Geburt und Herkommen der Hauptfigur und wie diese ist er im Grunde unendlich fortführbar, nämlich so lange, bis der Esel wieder in einen Menschen zurückverwandelt ist, was durch immer neue Episoden hinausgezögert werden kann. Der oft als Vorbild Grimmelshausens angeführte Roman comique hat hingegen ei ← 63 | 64 → nen heterodiegetischen Erzähler. Im höfisch-heroischen Roman haben wir prinzipiell einen heterodiegetischen Erzähler, auch wenn dieser seine Figuren oft seitenlang...

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