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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Quellen-Mikrologie. Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens Springinsfeld und das Theatrum Europaeum, mit einem Seitenblick auf Wassenbergs Ernewerten Teutschen Florus

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Abgedanckte Soldaten.

Würmer im Gewissen, / Kleider wol zerrissen, Wolbenarbte Leiber, / Wolgebrauchte Weiber, Ungewisse Kinder, / Weder Pferd noch Rinder, Nimmer Brot im Sacke, / Nimmer Geld im Packe Haben mit genummen, / Die vom Kriege kummen. Wer dann hat die Beute? / Eitel fremde Leute.

Friedrich von Logau: Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend (1654)

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen hat man sich notwendigerweise als von Büchern und Exzerpten umgeben vorzustellen. Die Wissensbestände aus den gelehrten Folianten fanden umgehend Eingang in seine eigenen Texte. Die Frage, wie, wann, wo und in welchem Ausmaß Grimmelshausen Zugriff auf eine nachweisbar aus seinen Werken rekonstruierbare virtuelle Bibliothek im Wert von mindestens 230.000 D-Mark – so Günther Weydt im Jahre 19881 – hatte, bleibt bis heute im Dunkeln. Dazu gibt es einige begründete Vermutungen. Auch über die Informationsaneignungs-, Informationsverwaltungs- und Informationsverarbeitungsstrategien des Barockdichters kann man nur Spekulationen anstellen. Ein buchstäblich besonders schwergewichtiges Problem stellt dabei Grimmelshausens Einsichtnahme in einzelne Bände des kiloschweren und kostspieligen Theatrum Europaeum dar.2 In der ← 225 | 226 → Grimmelshausen-Biographie von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz scheint dieses Problem nun gelöst. Der wissbegierige Leser bekommt den Gaisbacher Schaffner zu sehen, der sich nach Feierabend dem Schreiben widmet: „Nach getaner Tagesarbeit sitzt er [Grimmelshausen] am Tisch im ,Schreibstübchen‘ des Schaffnerhauses.“3 Hier gelangt nun u. a. auch ein Band des Theatrum Europaeum zum Einsatz, das Grimmelshausen anscheinend als Informationshandbuch im Vorfeld der Publikation des Simplicissimus Teutsch dient:

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