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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Spielarten des literarischen Manierismus im Werk Grimmelshausens

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Präliminarien zu Forschungsaspekten

In der folgenden Studie wird die Intention verfolgt, aus der Perspektive des Fachs Allgemeine Literaturwissenschaft mit seinen Schwerpunkten Methodologie, Literaturtheorie und Komparatistik die artistischen Formen von Grimmelshausens literarischem Werk im Anschluss an eigene ältere Forschungen zur manieristischen Poetiktradition in Gestalt einer Übersicht darzustellen.1 Nachdem der Begriff Manierismus zunächst in der Kunstgeschichte für das Abweichen von klassischen ästhetischen Normen als Dekadenzphänomen begriffen wurde, wird die Nomenklatur erstmals von Max Dvorak auf die Literatur transferiert und mit frühneuzeitlichen Autoren wie Rabelais, Shakespeare, Cervantes und Grimmelshausen in Konjunktion gebracht.2

Für den literarischen Manierismus gewannen indes erst die Studien von Ernst Robert Curtius3 und Gustav René Hocke4 zentrale Bedeutung, durch welche die ursprünglich pejorative Färbung des Begriffs in der Folgezeit mehr und mehr beseitigt und die pauschale Abwertung durch eine differenzierte Analyse substituiert wurde. Vielfach bildeten sich im Laufe der Zeit bestimmte epistemologische Richtungen heraus: So wurde ,Manierismus‘ als Epochenbegriff verstanden und prioritär auf die ← 265 | 266 → Barockepoche bezogen, der auch Grimmelshausen angehörte, oder als Stilbegriff verwendet und mit dem Ideal der Argutia verknüpft, für den sich ebenfalls bei dem deutschen Autor Beispiele finden, und schließlich als Krisensymptom diagnostiziert, was gleichfalls auf den Dichter zutrifft, dessen Simplicissimus im Spannungsfeld von Bellizismus und Irenik stark von der Erfahrung des Dreißigjährigen Kriegs geprägt ist.

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