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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Der Zifferant: Chiffrierte Post aus Grimmelshausens Offenburger Regimentskanzlei 1645

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Die „Geheimpoetik“ Grimmelshausens1 bestand nicht nur in der Verschlüsselung seiner Romane, wenn er etwa die Continuatio als komplex verschlüsselten Kommentar zum Simplicissimus gestaltete. Jedenfalls sah Hubert Gersch dies so, denn „bei seinen Zeitgenossen konnte Grimmelshausen […] auch mit einem Hang zum meditierenden Lesen, mit ihrem Eifer am Enträtseln esoterischer Texte rechnen“.2 So sollte dem Leser das Verfahren der Aufdeckung verborgener Aussagen bei aufmerksamer Lektüre regelrecht eingeübt werden und sollte er das Entziffern des vorausgegangenen Romaninhaltes erlernen.

„Auch der Dichter Grimmelshausen ist wie sein Held Simplicissimus ,ohne Ruhm zu melden/ ein zimblicher Zifferant‘“ gewesen, so Dieter Breuer.3 Wo aber mag Grimmelshausen die Grundlagentechniken des Chiffrierens, das ABC der Geheimschrift erlernt haben? Einmal wohl durch die Lektüre der umfangreichen kryptologischen Literatur seiner Zeit, wie sie etwa Dieter Breuer und Nicola Kaminski in den Simpliciana vorgestellt haben.4 Breuer hob dabei besonders nochmals als Grimmelshausens nie versiegende Quelle Tommaso Garzoni hervor, der im achtundzwanzigsten Diskurs über die „Ciffranten“ geschrieben hatte. Eine Reihe antiker Autoren habe sich schon mit dieser Kunst befasst, denn „es fallen täglich solche Ding für, die wir einander müssen zuschreiben und doch sollen heimlich gehalten werden.“ Garzoni warnte jedoch vor dem unkritischen Gebrauch dieser Lehrbücher: „Wer aber etwas recht ← 327 | 328 → heimliches wolte schreiben/ der müste sich nicht mit solchen Büchern behelffen/ die in offentlichem Druck seyndt: sondern müste etwas newes vnnd eigenes erfinden/ darzu man dann in solchen Bücheren gute Anleitung findet...

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