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Metaphysik zwischen Tradition und Aufklärung

Wolffs "theologia naturalis" im Kontext seines Gesamtwerkes

Juan Li

Das Buch ist die erste deutschsprachige Monographie zu Christian Wolffs Theologia naturalis, jenes letzten Teils seines großen metaphysischen Systems. Christian Wolff ist die zentrale Gestalt in der deutschen Aufklärung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus der Sicht seiner Gegner war Wolff nichts anderes als ein Fatalist, Deist und Atheist. Aber er fällt auch durch ausgeprägt konservative Züge auf, die sich in seinen metaphysischen und religionsphilosophischen Arbeiten zeigen. Wolff selbst hielt es für möglich, dass die Anwendung der philosophischen Methode auf die Theologie der christlichen Religion nicht schaden würde. Wie ist dies möglich? Die Autorin prüft Wolffs Wunderbeweis, seine Spinozismus-Kritik und seine Argumente für die natürliche und offenbarte Religion im Kontext seines Gesamtwerkes. Dies sind die Hauptthemen der damaligen philosophischen Auseinandersetzungen. Dadurch tritt der Charakter der Metaphysik Wolffs zwischen Tradition und Aufklärung in ein neues Licht.
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Kapitel III. Atheismus und Spinozismus

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Wolff war sich selbst sehr wohl bewusst, dass durch seine Methode nicht die tatsächliche Wirklichkeit Gottes, sondern nur die Möglichkeit des gegenständlichen Gottes anerkannt werden darf, insofern sie aus der Möglichkeit des Gottesbegriffs geschlossen wird. Für Wolff gilt die Aussage ‚Gott existiert‘ erst dann als wahr, wenn sie sich aus ihren Prämissen deutlich ableiten lässt. Gerade im Beweis der logischen Möglichkeit des Gottesbegriffs sieht er, wie wir im ersten Kapitel schon gezeigt haben, den einzig möglichen Gottesbeweis, mag der Beweis seinen scheinbaren Ausgang von der Kontingenz der Welt, der Seele oder der Naturordnung810 nehmen. Schon in seiner Ratio Praelctionum von 1718 suchte er die verborgenen Prämissen der seinerzeit geläufigen Gottesbeweise aus dem Begriff des ‚ens a se‘, der Ordnung der Welt, der Weltmaschine, dem Anfang des Menschengeschlechtes, dem Begriff des ‚ens perfectissimum‘, den Absichten der Dinge und dem Gewissensspruch ans Licht zu bringen.811 Wolffs Kritik an den geläufigen Gottesbeweisen erregte von Anfang an bei seinen Gegnern Feindschaft. Abgesehen von den theorieexternen Motiven hatten die Kritiker zu Recht eingesehen, dass Wolffs philosophische Methode unweigerlich zur Entkräftung der Gründe der Existenz Gottes führte. Sie sahen nämlich in Wolffs durch die demonstrative Methode aufgebautem System bloß eine fatalistische Notwendigkeit aller Dinge in der Welt und aller Handlungen des Menschen. Dies assoziierte man in der damaligen Zeit ohne weiteres mit dem Spinozismus, der zugleich Atheismus und Fatalismus implizierte. ← 215 | 216 → So ist es nicht verwunderlich, dass...

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