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Metaphysik zwischen Tradition und Aufklärung

Wolffs "theologia naturalis" im Kontext seines Gesamtwerkes

Juan Li

Das Buch ist die erste deutschsprachige Monographie zu Christian Wolffs Theologia naturalis, jenes letzten Teils seines großen metaphysischen Systems. Christian Wolff ist die zentrale Gestalt in der deutschen Aufklärung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus der Sicht seiner Gegner war Wolff nichts anderes als ein Fatalist, Deist und Atheist. Aber er fällt auch durch ausgeprägt konservative Züge auf, die sich in seinen metaphysischen und religionsphilosophischen Arbeiten zeigen. Wolff selbst hielt es für möglich, dass die Anwendung der philosophischen Methode auf die Theologie der christlichen Religion nicht schaden würde. Wie ist dies möglich? Die Autorin prüft Wolffs Wunderbeweis, seine Spinozismus-Kritik und seine Argumente für die natürliche und offenbarte Religion im Kontext seines Gesamtwerkes. Dies sind die Hauptthemen der damaligen philosophischen Auseinandersetzungen. Dadurch tritt der Charakter der Metaphysik Wolffs zwischen Tradition und Aufklärung in ein neues Licht.
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Schlussbetrachtung

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Wenn auch die historische Lektüre die allereinfachste ist, indem nur verworrene Begriffe der Worte vorhanden sind, ist es aber trotzdem für den Leser nicht einfach, ihren Nutzen aus eigener Kraft zu suchen.

Christian Wolff1143

Es ist in der Wolff-Forschung eine sehr naheliegende Annahme, dass Wolff sich seit 1723 unter dem Druck der Verfolgung auf eine gemäßigtere Position zurückgezogen hatte. Insbesondere Wolffs Theologia naturalis wird als eine Achillesferse seines vernünftigen Philosophiesystems angesehen, weil man darin die Anhäufung von protestantischen und scholastischen Thesen findet und sein Beweis der Existenz Gottes und der Wahrheit der christlichen Offenbarung zu naiv und dogmatisch zu sein und keinen Erkenntniswert zu haben scheint. Im Gegensatz zu dieser geläufigen Annahme hat sich gezeigt, dass zum einen Wolffs methodologische Überlegungen über den dreifachen Begriffsbildungsweg in der Logik und seine Theologia naturalis sehr eng nebeneinander stehen, und zum anderen der Beweis der logischen Wahrheit der geoffenbarten Propositionen nicht bloß im Dienst der Verteidigung der christlichen Religion, sondern letztlich im Dienst der Psychologisierung dieser Propositionen als Beweggrund zur Ausführung der richtigen Handlung steht. Es hat sich auch gezeigt, dass der Beweis der Wahrheit der Offenbarungsreligion, um die Begierde der Christen nach dem Naturgesetz zu bestimmen, den roten Faden in Wolffs Lebenswerk ausmacht. Wolffs erste Schrift, die Philosophia practica universalis von 1703, enthält schon das Programm von der Erfindung der Lösung zum Problem, wie der Mensch von der Erkenntnis von Gott und den Menschen dazu zu...

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