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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Grimmelshausens Ansichten vom „allergottsbesten Teutsch“. Simplicianischer Stil und „teutsche Bewegung“ (Teutscher Michel, Caput XI): Dieter Breuer

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DIETER BREUER (Aachen)

Grimmelshausens Ansichten vom „allergottsbesten Teutsch“. Simplicianischer Stil und „teutsche Bewegung“ (Teutscher Michel, Caput XI)

Gut gelaunt und voller Selbstironie kommt Grimmelshausens Teutscher Michel daher, und schon dies unterscheidet ihn von all den verkniffenen trocken-gelehrten Schriften des Jahrhunderts zu Sprachreform und Sprachkritik. Wie im Satyrischem Pilgram handelt er eine bunte Palette von Gegenständen ab, hier sind es Sprachprobleme, aber nun ohne den strengen dialektischen Formzwang des Für und Wider;1 ernsthaft und spöttisch heiter zugleich zieht er die verschiedensten gelehrten Sprachhelden seiner Zeit durch die Hechel: „Wie deß Mahlers Farb-gemeng So ist unser Sprach-gepräng“. Der tänzelnde Narr vor seiner Staffelei auf dem Titelkupfer zum Teutschen Michel ist sich seiner Sache ganz sicher. Aber wie kann Grimmelshausen als Autodidakt so sicher sein? Sein gelehrter Nachbar, der Pfarrer von Bodersweyer jedenfalls, wünscht höchst verärgert, daß diesem Homo satyricus jemand „das Maul stopffe“.2 Doch die gelehrten Nürnberger Freunde ziehen es vor, den „geringen Dorff-Schulteß“ mit Schweigen und Nichtbeachtung zu strafen. Woher aber nimmt Grimmelshausen seine Sicherheit in sprachlichen und sprachtheoretischen Dingen wie Orthographie, Fremdwortgebrauch, Beurteilung von Fremdsprachenkenntnis für die Bildung, Stammworttheorie, Phonetik, Namenkunde, Dialektgeographie, Stilistik, Etymologie, Sprachnormierung?

Wie schon Bierbüsse gezeigt hat, ist Grimmelshausen, ohne Namen zu nennen, vertraut mit den Positionen führender Sprachreformer ← 31 | 32 → seiner Zeit,3 folgt ihnen aber nicht. Auch hier ist die GarzoniÜbersetzung von 1619 seine Hauptquelle, nicht nur für Sachinformationen, sondern nach wie vor...

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