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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Grimmelshausen und der sprachpatriotische Diskurs: Sebastian Rosenberger

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SEBASTIAN ROSENBERGER (Göttingen)

Grimmelshausen und der sprachpatriotische Diskurs1

1.Der sprachpatriotische Diskurs im 17. Jahrhundert

Mit Andreas Gardt lassen sich vier dominante sprachreflexive Diskurse für das 17. Jahrhundert unterscheiden:2 Der sprachmystische Diskurs, der die angenommene Seinsadäquatheit der gottgegebenen paradiesischen Ursprache, die durch den Sündenfall verloren gegangen sei, wiederherzustellen sucht (Hauptvertreter: Jacob Böhme); der sprachuniversalistische Diskurs, der, im Gegensatz zur Sprachmystik von der Arbitrarität des sprachlichen Zeichens ausgehend, Eindeutigkeit im Verhältnis zwischen Ausdruck und Inhalt anstrebt (John Locke, Johann Amos Comenius, Gottfried Wilhelm Leibniz); der sprachpragmatische Diskurs, der gegen Ende des Jahrhunderts aufkam und bereits in das Zeitalter der Aufklärung weist; dieser fasste Sprache primär als Werkzeug im kommunikationszentrierten sozialen Handeln zur Erreichung der eigenen Ziele auf (Christian Weise,3 Christian Thomasius); schließlich der sprachpatriotische Diskurs, um den es in diesem Beitrag hauptsächlich gehen wird.

Der sprachpatriotische Diskurs lässt sich in zwei Hauptstränge gliedern, in den Sprachnormierungsdiskurs und den fremdwortpuristi ← 43 | 44 → schen Diskurs. Beiden Diskurssträngen ist das Ziel gemeinsam, die als rückständig empfundene deutsche Sprache in Dichtung und Wissenschaft auf das kulturell höhere Niveau zu heben, auf dem die Bibelsprachen Hebräisch und Griechisch, die internationale Gelehrtensprache Latein sowie die romanischen Sprachen Französisch, Italienisch und Spanisch angesiedelt waren. Zugleich wurde in der Sprache das einzige Element gesehen, das im politisch, konfessionell und kulturell zerrissenen Heiligen Römischen Reich während und nach dem Drei...

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