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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Sprachkrise und Identität. Der Teutsche Michel als Leseanleitung für den Simplicissimus-Roman: Peter Hess

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PETER HESS (Austin)

Sprachkrise und Identität. Der Teutsche Michel als Leseanleitung für den Simplicissimus-Roman

I.Einführung

Sprache und Sprachverhalten sind die zentralen Themen der polemischen Schrift Deß Weltberuffenen Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel (Nürnberg 1673) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen.1 Der Text stellt einen satirischen Kommentar zu den Sprachbemühungen seiner Zeitgenossen dar. Der deutsche Michel wird von den Zeitgenossen gemeinhin als Wahrzeichen für den aufrechten Deutschen dargestellt; dieses Bild wird auch in Flugblättern gegen die Gefahren modischer und sprachlicher Überfremdung entworfen.2 Grimmelshausen steht auf der Seite der „altdeutschen Opposition“, die sich anachronistisch gegen die absolutistische, an Frankreich und Italien orientierte Hofkultur und gegen damit verbundene Innovationen positioniert.3 Weniger klar ist die im Titel des Textes angesprochene Verbindung zu Simplicissimus, dem Titelhelden des Romans Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch (1668).4 Die Beziehung des ← 107 | 108 → Teutschen Michel zum Simplicissimus-Roman soll in diesem Aufsatz genauer untersucht werden.

Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass das im Teutschen Michel beschriebene sprachliche Fehlverhalten dem transgressiven Sprechen und Verhalten des Protagonisten im Simplicissimus-Roman entspricht. Als transgressiv gilt ein Akt, der allgemein akzteptierte Normen und Werte verkehrt, verkürzt oder ihnen widerspricht.5 Mit dem Begriff transgressiv möchte ich Sprechakte oder Handlungen beschreiben, die in irgendeiner Form Normen des sozial Akzeptablen missachten, explizite oder implizite gesellschaftliche Schranken überschreiten und sich so einer symbolischen oder wirklichen Bestrafung aussetzen. Die Diskussion transgressiver Prozesse eröffnet die Möglichkeit einer dialektischen Dynamik:...

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