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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Der offene Garten. Ordnung und Pluralität in Grimmelshausens Teutschem Michel: Simon Zeisberg

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SIMON ZEISBERG (Berlin)

Der offene Garten. Ordnung und Pluralität in Grimmelshausens Teutschem Michel

I

In der Einleitung zum Grimmelshausen-Kapitel seiner Anthologie Sprachhelden und Sprachverderber (1995) kommt William Jones zu einem ambivalenten Urteil über Grimmelshausens Teutschen Michel. Einerseits überwinde das ‚Tractätlein‘ „[…] einseitiges, schablonenhaftes Denken, wie es in puristischen Werken der 40er und 50er Jahre wiederholt zum Vorschein“ gekommen sei.1 Andererseits wirke die Argumentation des Traktatisten Simplicissimus „teilweise konfus“, rede doch

ein Mann, der im Grunde genommen weder puristisch noch antipuristisch gesinnt ist. Sprachmode, rationalistische Sprachphilosophie und übertriebene Sprachreinigung sind ihm gleichermaßen fremd.2

Was den systematisierenden Sprachhistoriker vor Probleme stellt, kann aus Sicht der Grimmelshausen-Forschung kaum überraschen. Denn dass Grimmelshausen mit seinem Teutschen Michel weder die Ordnungskonzepte noch die institutionellen Spielregeln der gelehrten Autoren teilt,3 entspricht Gepflogenheiten simplicianischer Satire, die, wie etwa auch im Ewig-währenden Calender (1670), auf Beobachtung von ← 127 | 128 → Beobachtung setzt.4 Mit anderen Worten: „Deß Weltberuffenen Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel“5 zielt nicht im einfachen Sinn auf „Teilnahme am gelehrten Sprachdiskurs“6, sondern perspektiviert satirisch dessen Bedingungen und Grenzen.

Eine wesentliche Frage schließt sich an diese Einsicht an. So ist bisher meines Erachtens nicht ausreichend geklärt worden, ob der Teutsche Michel bei der satirischen Beobachtung fremder Wissensansprüche stehen bleibt oder nicht doch ein, wie auch immer implizites, simplicianisches Sprachwissen formiert?7 Um einige Anhaltspunkte zur Bestätigung letzterer Annahme zu sammeln, soll im Folgenden...

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