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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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Hirnschleiferei. Die Umdeutungskunst des Aegidius Albertinus in der Perspektive auf Grimmelshausen: Thomas Althaus

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THOMAS ALTHAUS (Bremen)

Hirnschleiferei. Die Umdeutungskunst des Aegidius Albertinus in der Perspektive auf Grimmelshausen

Grimmelshausens Schreiben organisiert sich unter vielen Einflüssen. Dazu gehören auch die Erbauungsschriften, die Aegidius Albertinus, seiner „Fürstl: Durchl: in Bayrn Hof- vnd Geistlicher Raths Secretarius“, zwischen 1594 und 1618 in Menge „zusammen colligirt“.1 Das belegen zitatgenaue Übernahmen, die in der Forschung aber auch dafür stehen, wie sehr sich Grimmelshausens Rezeption von der konfessionellen Strenge dieser Traktatliteratur freimacht.2 Eine klare Unterscheidung zwischen funktionaler und literarischer Prosa ist allerdings schon historisch schwierig, und sie verliert erheblich an Aussagekraft, sobald das Schreibmodell von Albertinus, seine auf Blickveränderungen konzentrierte Themenführung, in Betracht gezogen wird. Die folgenden Überlegungen gehen davon aus, dass Grimmelshausens Prosa wesentlich von dorther ihre Fähigkeit zum Sichtwechsel und die dafür notwendige Divergenz entwickelt. Das führt zu einem Komplexitätsgewinn, der den albertinischen Schriften trotz ihres klerikalen Zwecks selbst auch eignet. Unter den Vorgaben des Apostolats gibt es auch bei Albertinus viel provozierte Widersprüchlichkeit. Nur: sind die ← 161 | 162 → gegenreformatorischen Bestrebungen des Hofpredigers erst einmal (und im Grunde folgerichtig) zu einheitlicher Weltsicht und zu entsprechenden Ordnungsvorstellungen aufsummiert, zeichnet sich der Komplexitätsgewinn kaum noch ab.3

Die hier angestellten Beobachtungen haben indes eher den Charakter einer literaturgeschichtlichen Probebohrung. Sie bleiben auf diese eine ‚Herkunft‘ von Divergenz bei Grimmelshausen fokussiert. Die Folgen für die simplicianische Schreibweise können sie ohnehin nur oberflächlich und in wenigen Aspekten skizzieren, und sie bleiben notwendig...

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