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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXV. Jahrgang / 2013

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In Band 35 (2013) der Simpliciana werden sechzehn Vorträge veröffentlicht, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Der Teutsche Michel. Kulturpatriotismus und Sprachverhalten im Werk Grimmelshausens und in der oberrheinischen Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2013 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus erscheinen in diesem Jahrbuch drei weitere Beiträge zum Werk des simplicianischen Autors und ein Aufsatz zum Fortleben der Figur des deutschen Michels in Karikatur und Volkskunde in Böhmen. Der Rezensionsteil berichtet wie gewohnt über Neuerscheinungen zu Grimmelshausen und zur Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit.
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„Ein unruhiges jmmerwehrendes Ellend“. Zur ‚Europa‘-Semantik im Simplicissimus Teutsch: Nicolas Detering

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NICOLAS DETERING (Freiburg)

„Ein unruhiges jmmerwehrendes Ellend“. Zur ‚Europa‘-Semantik im Simplicissimus Teutsch

„Es scheinet über die Teutschen durch ein sonderbares Geschikke verha[n]gen zu seyn“, so stellt Sigmund von Birken 1645 in seiner Fortsetzung der Pegnitz-Schäferey fest, „daß sie zwar iederzeit in Künsten und Wissenschaften alle Völker weit hinter sich gelassen/ in Ausübung aber eigner Muttersprache eine Zeitlang andern williglich den Vorzug eingeräumet“.1 Das deutsche Sprach- und Nationalbewusstsein, so ein Gemeinplatz barocker Poetik und Sprachtheorie, der bis weit in das 20. Jahrhundert nachwirkt,2 sei im Vergleich zu seinen Nachbarländern ‚verspätet‘, habe einen erklärungsbedürftigen Sonderweg eingeschlagen, den es nun mit Blick auf den fortgeschrittenen europäischen Standard – vor allem in Italien, den Niederlanden und Frankreich – zu korrigieren gelte. Ansätze dazu, schreibt Birken weiter, seien seit Opitz bereits reichlich vorhanden:

[…] [m]assen sich dann nächstverflossener Jahren viel ädle Teutsche Gemüter daran gerichtet/ und ihrer Sinnen Kunstvermögen nicht allein in nutzlichen Schrifften/ Teutscher Sprache Aufnehmen betreffende/ sondern auch in anmutigen Feldabhandlungen der Welt kund gemachet/ womit sie zugleich bezeuget/ daß Teutschland unter einem ja so milden Himmel lige/ als Frankreich/ Spanien/ Welschland/ und andere; und mangle es zwar bey etlichen Teutschen an ← 219 | 220 → dem Willen/ nicht aber am Verstand/ ihre Muttersprach weltberühmt zu machen.3

Birken greift hier auf die klimatheoretische Entstehungslehre nationalcharakterlicher Ungleichheit zurück und erklärt die zahlreichen deutschen Laus-ruris-Gedichte in der Horaz-Nachfolge zu...

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